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WCAG Prüfkriterien
Hier findest du eine Übersicht der WCAG 2.2 Prüfkriterien, strukturiert nach den 4 Prinzipien: Wahrnehmbar, Bedienbar, Verstehbar und Robust. Jedes Prüfkriterium bietet eine Kurzbeschreibung und die jeweilige Prüfmethode.
Prüfkriterien filtern
Prinzip: Wahrnehmbar
1.1.1 Nicht-textuelle Inhalte
Ziel ist es, Informationen in verschiedenen Formen zugänglich zu machen - z. B. in Großdruck, Braille, Sprachausgabe oder einfacher Sprache.
- Visuelle Überprüfung
- Identifizieren Sie alle Bilder, Icons, Diagramme und anderen nicht-textuellen Inhalte auf der Webseite.
- Quellcode-Analyse
- Öffnen Sie den Quellcode der Seite.
- Prüfen Sie bei <img>-Elementen:
- Ist ein alt-Attribut vorhanden?
- Gibt das alt-Attribut den Zweck/die Aussage des Bildes zutreffend wieder?
- Handelt es sich um eine Layoutgrafik? Dann muss alt="" gesetzt sein.
- Prüfen Sie bei interaktiven Bedienelementen (z. B. Buttons, Links, Formularfelder, die grafisch dargestellt sind):
- Ist ein zugänglicher Name vorhanden (aria-label, aria-labelledby, title oder <label>)?
- Prüfen Sie bei komplexen Grafiken (z. B. Diagrammen, Infografiken):
- Ist eine kurze Textalternative vorhanden?
- Ist zusätzlich eine ausführliche Beschreibung verfügbar (aria-describedby oder Link)?
- Prüfen Sie bei CAPTCHAs:
- Gibt es eine Textalternative, die den Zweck beschreibt?
- Werden alternative Formen für verschiedene Sinneswahrnehmungen angeboten?
- Prüfen Sie bei dekorativen oder unsichtbaren Bildern:
- Sind diese korrekt als ignorierbar markiert (alt="", CSS-Hintergrundbild o. ä.)?
- Nutzen Sie zur Überprüfung z. B. das "Images"-Bookmarklet (zeigt alt, aria-label, title).
- Screenreader-Prüfung
- Testen Sie die Seite mit NVDA in Firefox.
- Prüfen Sie, ob alle nicht-textuellen Inhalte vorgelesen werden.
- Stellen Sie sicher, dass Funktion oder Bedeutung verständlich ist.
- Die Alternative muss gleichwertig und aktuell sein.
- Ein Dateiname ist keine gültige Textalternative.
- Wenn das Medium eine Alternative zu Text ist, muss dies klar erkennbar sein.
- Bei Mängeln:
- Fehler beschreiben,
- betroffenes Element benennen,
- ggf. Umsetzungsempfehlung geben.
1.2.1 Nur Audio- und nur Video-Inhalte (aufgezeichnete Inhalte)
Das Ziel ist es, Nutzern den Zugang zu Informationen zu ermöglichen, die sonst nur über Audio oder Video verfügbar wären.
- Nur Audio (aufgezeichnete Inhalte)
- Identifizieren Sie alle vorab aufgezeichneten Audio-Inhalte, die keine visuelle Komponente haben.
- Prüfen Sie, ob eine Textalternative vorhanden ist (z. B. Transkript), die den vollständigen Inhalt abbildet.
- Überprüfen Sie, ob diese Alternative leicht auffindbar ist (z. B. Link in der Nähe des Audio-Players).
- Nur Video (aufgenommen)
- Identifizieren Sie alle vorab aufgezeichneten Video-Inhalte, die keine Audio-Komponente enthalten.
- Prüfen Sie, ob entweder:
- Eine Textalternative (Transkript der visuellen Informationen), oder
- Eine gesprochene Audiospur mit Beschreibung der visuellen Inhalte bereitgestellt wird.
- Stellen Sie sicher, dass die Alternative oder Audiospur leicht zugänglich und auffindbar ist.
- Die Alternative muss gleichwertige Informationen bereitstellen und den gleichen Aktualitätsstand wie das Original aufweisen.
- Wenn das Medium eine Alternative zu Text darstellt, muss dies eindeutig erkennbar und entsprechend gekennzeichnet sein.
1.2.2 Untertitel (aufgezeichnete Inhalte)
Ziel ist es, gehörlosen oder schwerhörigen Nutzern Zugang zu gesprochenen Dialogen und wichtigen Audioinformationen zu ermöglichen.
- Identifikation
- Alle vorab aufgezeichneten synchronisierten Medien (z. B. Videos mit Audio) auf der Seite identifizieren.
- Untertitel-Verfügbarkeit
- Prüfen, ob Untertitel für den gesamten Audioinhalt des Videos verfügbar sind.
- Prüfen, ob die Untertitel:
- Gesprochene Dialoge enthalten,
- Nicht-sprachliche Audioinformationen (z. B. Musik, Soundeffekt) wiedergeben.
- Prüfen, ob die Untertitel synchron mit dem Video- und Audiomaterial laufen.
- Sicherstellen, dass die Untertitel klar und lesbar sind und keine wichtigen visuellen Informationen verdecken.
- Technologie-Prüfung:
- Bei Closed Captions (ein /aus-blendbar): Können sie über einen geeigneten Videoplayer ein- und ausgeblendet werden?
- Bei Open Captions (immer sichtbar): Sind sie gut lesbar und visuell angemessen eingebettet?
- Mit dem NVDA Screenreader prüfen, ob die Untertitel von assistiven Technologien erkannt werden.
- Die Untertitel müssen vollständig und korrekt sein.
- Falls das Medium eine Textalternative ist, muss dies klar gekennzeichnet sein.
1.2.3 Audiobeschreibung oder Medianalternativen (aufgezeichnete Inhalte)
Ziel ist es, blinden oder sehbehinderten Nutzern Zugang zu visuellen Informationen zu ermöglichen.
- Identifikation
- Alle vorab aufgezeichneten synchronisierten Medien (Videos mit Audio) auf der Seite identifizieren.
- Verfügbarkeit der Alternative
- Prüfen, ob eine Audiodeskription vorhanden ist, die wichtige visuelle Details beschreibt, die im Originalton nicht vermittelt werden.
- Alternativ prüfen, ob eine Alternative für zeitbasierte Medien (z. B. ein vollständiges Texttranskript oder eine HTML-Seite) bereitgestellt wird, die:
- Visuelle und auditive Informationen sowie
- zeitbasierte Interaktionen beschreibt.
- Zugänglichkeit prüfen:
- Ist die Audiodeskription oder Textalternative leicht auffindbar? (z. B. separate Audiospur, Link neben dem Video, Option im Player)
- Prüfen, ob die Audiodeskription:
- Wichtige Aktionen, Charaktere, Szenenwechsel und auf dem Bildschirm angezeigte Texte beschreibt.
- Wenn die Beschreibungen in Dialogpausen erfolgen, handelt es sich um eine Standard-Audiodeskription.
- Wenn alle visuellen Informationen bereits durch den Originalton vermittelt werden, ist keine zusätzliche Audiodeskription erforderlich.
- Die Audiodeskription muss korrekt und informativ sein.
1.2.4 Untertitel (live)
Für alle Live-Audioinhalte müssen Untertitel bereitgestellt werden.
Dies stellt sicher, dass gehörlose oder schwerhörige Nutzer auch bei Live-Übertragungen Zugang zu gesprochenen und wichtigen nicht-sprachlichen Informationen erhalten.
- Identifikation
Alle Live-Audioinhalte in synchronisierten Medien (z.B. Live-Streams, Webinare) identifizieren. - Untertitel-Verfügbarkeit
Prüfen, ob Untertitel in Echtzeit (Live-Captions) bereitgestellt werden.- Genau und synchron mit dem Live-Audio erscheinen.
- Wichtige nicht-sprachliche Audioinformationen beinhalten (z.B. Applaus, Hintergrundgeräusche), sofern sie für das Verständnis relevant sind.
- Qualität prüfen
- Sind die Untertitel lesbar?
- Verdecken sie keine wichtigen visuellen Inhalte?
- Untertitel können durch Echtzeit-Textübersetzungsdienste generiert werden.
- Qualität und Synchronität der Live-Untertitel sind entscheidend für die Barrierefreiheit.
1.2.5 Audiodeskription (aufgezeichnete Inhalte)
Für alle vorab aufgezeichneten Videoinhalte muss eine Audiodeskription bereitgestellt werden.
Dies erweitert die Anforderungen von Level A, indem die Bereitstellung einer Audiodeskription für alle Videos verbindlich wird, um sehbehinderten oder blinden Nutzern Zugang zu allen visuellen Informationen zu gewährleisten.
- Identifikation
Alle vorab aufgezeichneten Videoinhalte identifizieren. - Audiodeskription-Verfügbarkeit
Prüfen, ob eine Audiodeskription vorhanden ist, die alle relevanten visuellen Informationen im Video beschreibt.- Detailliert genug ist, um visuelle Informationen zu vermitteln, die nicht im Original-Audio enthalten sind.
- Zugänglichkeit prüfen
- Als alternative Audiospur, oder
- Als separate Version des Videos mit eingebundener Audiodeskription.
- Erweiterte Audiodeskription (falls nötig)
- Bei Videos ohne ausreichende Pausen im Audio: Prüfen, ob erweiterte Audiodeskriptionen vorhanden sind, bei denen das Video pausiert wird, um mehr Beschreibungen zu ermöglichen.
- Die Audiodeskription muss korrekt und informativ sein.
- Der Einsatz eines Screenreaders kann hilfreich sein, um die Wahrnehmbarkeit und Platzierung der Audiodeskription zu überprüfen.
1.2.6 Gebärdensprache (aufgezeichnete Inhalte)
Für alle vorab aufgezeichneten Audioinhalte muss eine Gebärdensprachdolmetschung bereitgestellt werden.
Dieses Kriterium geht über reine Untertitel hinaus und bietet eine vollwertige Alternative für Nutzer, deren primäre Sprache eine Gebärdensprache ist, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
- Identifikation
Alle vorab aufgezeichneten Audioinhalte identifizieren. - Gebärdensprachdolmetschen-Verfügbarkeit
Prüfen, ob eine Gebärdensprachinterpretation des Audioinhalts vorhanden ist:- Direkt im Videostream integriert, oder
- Über ein synchronisiertes Video, das als Overlay oder in einem separaten Viewport angezeigt werden kann.
- Sichtbarkeit und Qualität
- Sicherstellen, dass der Gebärdensprachdolmetscher gut sichtbar ist.
- Die Interpretation muss klar und akkurat erfolgen.
- Echte Gebärdensprachen (z.B. DGS, ASL) sind eigenständige Sprachen, die nicht direkt mit der gesprochenen Sprache eines Landes verwandt sind.
1.2.7 Erweiterte Audiodeskription (aufgezeichnete Inhalte)
Wenn Pausen im Vordergrund-Audio nicht ausreichen, um eine vollständige Audiodeskription zu ermöglichen, muss für alle vorab aufgezeichneten Videoinhalte eine erweiterte Audiodeskription bereitgestellt werden.
Dies gewährleistet, dass selbst bei Videos mit schnellen Bildwechseln oder wenig Dialog ausreichend Zeit für detaillierte visuelle Beschreibungen geschaffen wird.
- Identifikation
Alle vorab aufgezeichneten Videoinhalte identifizieren.
Fokus liegt auf Videos mit:- Schnellen visuellen Änderungen
- Geringem Dialoganteil
- Erweiterte Audiodeskription-Verfügbarkeit
Prüfen, ob eine erweiterte Audiodeskription implementiert wurde, bei der das Video aktiv pausiert wird, um zusätzliche visuelle Beschreibungen zu ermöglichen.- Sicherstellen, dass alle relevanten visuellen Informationen vermittelt werden, die ansonsten nicht zugänglich wären.
- Zugänglichkeit prüfen
- Ist die erweiterte Audiodeskription über den Videoplayer oder ein alternatives Bereitstellungsmittel einfach auffindbar und nutzbar?
- Diese Technik ist nur erforderlich, wenn:
- Der Sinn des Videos ohne zusätzliche Audiodeskription verloren gehen würde,
- und die Pausen im Originalton zu kurz sind, um eine Standard-Audiodeskription einzufügen.
1.2.8 Medienalternative (aufgezeichnete Inhalte)
Für alle vorab aufgezeichneten synchronisierten Medien und alle vorab aufgezeichneten Nur-Video-Medien muss eine Alternative für zeitbasierte Medien bereitgestellt werden.
Ziel ist es, eine vollständige Textalternative bereitzustellen, die alle Informationen und Funktionen des ursprünglichen Mediums enthält. So wird auch Nutzern mit nicht-visuellen oder nicht-auditiven Zugangsformen ein gleichwertiger Zugang ermöglicht.
- Identifikation
Alle vorab aufgezeichneten synchronisierten Medien (Video mit Audio) und Nur-Video-Medien identifizieren. - Alternative für zeitbasierte Medien
Prüfen, ob eine vollständige Alternative vorhanden ist, zum Beispiel ein korrekt sequenziertes Textdokument, das:- Alle visuellen Informationen
- Alle auditiven Informationen
- Zeitbasierte Interaktionen
- In nachvollziehbarer Reihenfolge enthält
- Qualitäts- und Zugänglichkeitsprüfung
- In der gleichen Sprache, ebenso aktuell und vollständig wie das Originalmedium
- Leicht auffindbar, z. B. über einen Link direkt neben dem Medium
- Die Alternative muss den gesamten Inhalt umfassen und darf nicht nur eine Zusammenfassung sein.
- Sie muss klar als Textalternative gekennzeichnet sein, wenn sie als solche dient.
1.2.9 Nur-Audio (live)
Für Live-Nur-Audio-Inhalte muss eine Alternative für zeitbasierte Medien bereitgestellt werden, die gleichwertige Informationen bietet.
Ziel ist es, Nutzern, die den Live-Audioinhalt nicht hören können, einen synchronen Zugang zu den Inhalten in Textform zu ermöglichen.
- Identifikation
Alle Live-Nur-Audio-Inhalte identifizieren, z. B.:- Live-Radio-Streams
- Live-Audio-Konferenzen ohne Video
- Alternative für zeitbasierte Medien
Prüfen, ob eine Echtzeit-Textalternative bereitgestellt wird, z. B.:- Ein Live-Transkript
- Oder eine Live-Beschreibung
Sicherstellen, dass diese Textalternative aktuell und synchron mit dem Live-Audio ist.
- Zugänglichkeit prüfen
- Ist die Alternative leicht zugänglich, z. B.:
- Eingebettet auf derselben Seite, oder
- Verlinkt über einen deutlich erkennbaren Link?
- Dies kann durch einen Live-Untertitelungsdienst oder einen Link zu einem vorbereiteten Skript/Statement realisiert werden.
1.3.1 Informationen und Beziehungen
Informationen, Strukturen und Zusammenhänge, die durch das visuelle Design vermittelt werden, müssen entweder durch den Code erkennbar sein oder zusätzlich in Textform bereitgestellt werden.
Ziel ist es, dass assistive Technologien die Bedeutung und Organisation von Inhalten korrekt interpretieren und in alternativen Darstellungsformen präsentieren können.
- Visuelle Struktur vs. Programmatische Struktur
Developer Tools im Browser öffnen. Semantisches Markup überprüfen:
- Überschriften:
<h1>…<h6> - Listen:
<ul>,<ol>,<dl> - Zitate:
<blockquote>,<q> - Tabellen:
<table>,<caption>,<th>,<td> - Formulare:
<label>,<input>,<textarea>,<select>,<fieldset>,<legend>
Formularfelder müssen programmatisch mit ihren Beschriftungen assoziiert sein (z. B. mittels
<label for="id">,aria-label,aria-labelledby).Landmarks überprüfen: Nutzung von HTML5-Elementen (
<nav>,<main>,<header>,<footer>) oder ARIA-Rollen (role="navigation"etc.).Wenn Informationen nur visuell vermittelt werden (z. B. durch Farbe, Position, Größe), müssen sie zusätzlich textuell oder programmatisch zugänglich gemacht werden.
- Überschriften:
- Screenreader-Prüfung
Die Seite mit einem Screenreader testen.
Achten auf:- Korrektes Vorlesen von Strukturelementen
- Verständliche Darstellung von Beziehungen (z. B. Beschriftung von Formularfeldern)
- Vollständigkeit der Informationen
- HTML-Elemente sind ausschließlich zur semantischen Gliederung von Inhalten zu verwenden und dürfen nicht für Layoutzwecke missbraucht werden.
- Information und Struktur müssen von der Darstellung getrennt werden, um alternative Darstellungsformen zu ermöglichen.
- Dieses Erfolgskriterium gilt nur als erfüllt, wenn alle zugehörigen Prüfschritte mit „erfüllt“ oder „eher erfüllt“ bewertet werden.
1.3.2 Sinnvolle Reihenfolge
Wenn die Reihenfolge von Inhalten deren Bedeutung beeinflusst, muss die korrekte Lesereihenfolge programmatisch bestimmbar sein.
Dies gewährleistet, dass Besucher, die einen Screenreader nutzen den Inhalt in der vorgesehenen logischen Reihenfolge erfassen können.
- Visuelle und DOM-Reihenfolge
Webseite im Browser öffnen.
Prüfen, ob die visuelle Reihenfolge der Elemente logisch und sinnvoll ist.
DOM-Reihenfolge analysieren:
Mit Developer Tools, Registerkarte Elements.
Die DOM-Struktur sollte der visuellen Lesereihenfolge entsprechen.
Besonderes Augenmerk auf:
CSS-Eigenschaften wiefloat,position,flex-direction,grid-template-areas, die visuelle Anordnung verändern, aber nicht die DOM-Reihenfolge.
Mehrspaltige Layouts: Sicherstellen, dass keine Leerzeichen oder Tabulatoren zur Spaltenbildung verwendet werden. - Screenreader-Prüfung
Seite mit einem Screenreader durchgehen.
Achten, ob die Inhalte in korrekter, bedeutungserhaltender Reihenfolge vorgelesen werden.
Besonders wichtig bei:
Magazinartigen Layouts
Mehrspaltigem Text
Dynamisch erzeugten Inhalten
- PDF-Dokumente werden nicht bewertet.
- Die WCAG-Konformität wird immer seitenweise geprüft, nicht für ganze Websites.
1.3.3 Sensorische Merkmale
Anweisungen zum Verständnis und zur Bedienung von Inhalten dürfen sich nicht ausschließlich auf sensorische Merkmale wie Form, Farbe, Größe, Position, Ausrichtung oder Klang stützen.
Ziel ist es, dass auch Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen (z. B. Farbenblindheit, Sehbehinderung, Hörbehinderung) alle notwendigen Informationen erhalten, um Inhalte bedienen und verstehen zu können.
- Visuelle Überprüfung ohne Farbe
Suchen Sie auf der Webseite nach Anweisungen oder Hinweisen, die sich auf sensorische Merkmale stützen, z. B.:
„Klicken Sie auf den roten Button“
„Wählen Sie das große Quadrat“
„Die Pflichtfelder sind grün markiert“
„Klicken Sie auf den Link rechts“
Prüfen Sie, ob ergänzende textuelle oder programmatische Hinweise vorhanden sind:
z. B. Beschriftungen, Symbole, Alternativtexte
Farbe:
Farbe darf nicht das alleinige Mittel zur Informationsvermittlung sein.
Beispiel: Pflichtfelder sollten nicht nur farblich hervorgehoben, sondern auch mit einem * oder Texthinweis versehen sein.
Form / Position:
Wenn eine Anweisung sich z. B. auf „das Feld unten rechts“ bezieht, muss alternativ eine klar beschriftete Bezeichnung vorhanden sein. - Screenreader-Prüfung
Navigieren Sie mit einem Screenreader durch die Seite.
Achten Sie darauf, ob Anweisungen auch ohne visuelle oder auditive Reize verständlich und vollständig sind.
Beurteilen Sie:
Wäre der Inhalt ohne Farbe oder Ton noch verständlich und bedienbar?
Dieses Kriterium betrifft insbesondere die Farbwahrnehmung, ergänzt aber auch die Anforderungen an andere sensorische Eigenschaften.
1.3.4 Orientierung
Die Inhalte dürfen nicht auf eine bestimmte Bildschirm-Orientierung (z. B. nur Hoch- oder Querformat) beschränkt sein, außer diese Orientierung ist für die Funktion zwingend erforderlich.
Ziel ist es, dass Menschen, die ihr Gerät nicht drehen können oder möchten, den Inhalt trotzdem vollumfänglich nutzen können.
- Geräte-Test
Öffnen Sie die Webseite auf einem aktuellen mobilen Gerät.
Wechseln Sie zwischen Hoch- und Querformat.
Beobachten Sie, ob:
Inhalte abgeschnitten, verzerrt oder nicht mehr zugänglich sind.
Eine Meldung erscheint, die zur Änderung der Geräteausrichtung auffordert (z. B. „Bitte Gerät drehen“) → dies gilt als Fehler.
Inhalte und Funktionen müssen in beiden Orientierungen verfügbar und vollständig bedienbar sein. - Essenzielle Orientierung
Beurteilen Sie, ob eine bestimmte Orientierung wirklich zwingend erforderlich ist.
Beispiele für zulässige Ausnahmen:
Klavier-App (Querformat für Tastatur)
VR-Ansicht
Falls nicht essenziell, ist eine Beschränkung unzulässig. - Alternativkontrolle
Falls eine Orientierung technisch eingeschränkt ist, prüfen Sie:
Gibt es eine Alternative zur Bedienung oder einen Umschaltmechanismus, der den Zugriff in beiden Ansichten ermöglicht?
Moderne Responsive Designs sollten automatisch und verlustfrei zwischen Ausrichtungen umschalten.
1.3.5 Zweck von Eingaben identifizieren
Der Zweck jedes Eingabefeldes, das Nutzerdaten sammelt und einem in den „Input Purposes“ definierten Zweck entspricht, muss programmatisch erkennbar sein - vorausgesetzt, die verwendeten Technologien unterstützen das Identifizieren der erwarteten Bedeutung für Formular-Eingabedaten.
Dies ermöglicht es Browsern und assistiven Technologien, den Nutzern beim Ausfüllen von Formularen zu helfen, beispielsweise durch Autofill-Funktionen.
- Formularfelder identifizieren
Suchen Sie auf der Webseite nach Formularfeldern, die personenbezogene Daten oder andere Daten sammeln, die in der Liste der Input Purposes aufgeführt sind (z. B. Name, Adresse, E-Mail, Telefonnummer, Kreditkartendaten). - Quellcode-Analyse
Öffnen Sie die Developer Tools.
Prüfen Sie für jedes Eingabefeld, ob dasautocomplete-Attribut (HTML5.2) korrekt und semantisch passend gesetzt ist, um den Zweck des Feldes anzugeben.
Beispiel:autocomplete="given-name"für Vornamen.
Achten Sie darauf, dass keine falschen oder unpassenden Werte verwendet werden. - Assistive-Technology-Unterstützung
Testen Sie das Formular mit einem Screenreader oder einem Passwort-Manager.
Überprüfen Sie, ob die programmatisch bestimmten Zwecke der Felder erkannt und für unterstützende Funktionen genutzt werden.
Die Liste der Input Purposes basiert auf dem Autofill-Abschnitt der HTML-Spezifikation.
Eine korrekte Implementierung des autocomplete-Attributs ist entscheidend für die Erfüllung dieses Kriteriums.
1.3.6 Zweck von Benutzeroberflächenkomponenten
- Identifikation von Komponenten, Icons und Regionen
Identifizieren Sie alle Benutzeroberflächenkomponenten (Buttons, Links, Formularfelder, Widgets), Icons (funktionstragende oder informative) und Regionen (z. B. Hauptinhalt, Navigation, Footer, Header). - Quellcode-Analyse
Öffnen Sie Developer Tools in Firefox oder Chrome.
Prüfen Sie, ob der Zweck der Elemente programmatisch bestimmt werden kann durch:- HTML-Semantik
- WAI-ARIA-Rollen und -Eigenschaften
Hilfsmittel: Landmark Navigation Add-ons oder Landmarks Bookmarklet.
Für Komponenten und Icons prüfen Sie, ob ihr Zweck über einen zugänglichen Namen (siehe 2.5.3), Rolle oder weitere ARIA-Attribute (aria-pressed, aria-expanded, etc.) vermittelt wird.
Icons mit semantischer Bedeutung sollten mit role="img" und einer passenden Textalternative versehen sein. - Screenreader-Prüfung
Aktivieren Sie Ihren Screenreader.
Hören Sie darauf, ob der Zweck aller interaktiven Komponenten, Icons und Regionen klar und eindeutig vermittelt wird.
Prüfen Sie die Konsistenz der Bezeichnungen bei wiederkehrenden Komponenten.
- Hauptfokus: programmatische Kennzeichnung des Zwecks von Icons, Regionen und UI-Komponenten.
- Konsistenz der Bezeichnungen (vgl. 3.2.4) über mehrere Seiten hinweg ist wichtig für die Nutzerfreundlichkeit.
1.4.1 Nutzung von Farben
- Visuelle Überprüfung ohne Farbe
Deaktivieren Sie die Farbanzeige im Browser oder verwenden Sie ein Tool/Add-on, das die Seite in Graustufen oder Schwarz-Weiß darstellt (z. B. Browser-Entwicklertools zum Simulieren von Sehschwächen).
Identifizieren Sie alle Stellen, an denen Farbe zur Informationsvermittlung genutzt wird (z. B. Links, Fehlermeldungen, Statusanzeigen, Diagramme, Pflichtfelder).
Prüfen Sie, ob diese Informationen auch ohne Farbe vermittelt werden, etwa durch:- Text
- Symbole
- Muster
- Unterstreichungen bei Links
Formularfelder/Fehler: Pflichtfelder oder Fehlermeldungen müssen nicht nur farblich, sondern auch durch Symbole, Text oder klare Beschriftungen kenntlich gemacht sein. - Interaktions-Test
Testen Sie interaktive Elemente (Links, Buttons).
Wenn Farbe zur Identifikation verwendet wird, müssen zusätzliche visuelle Hinweise beim Hover/Fokus sichtbar sein.
Das Kontrastverhältnis dieser Hinweise zum umliegenden Text sollte mindestens 3:1 betragen.
Dieses Erfolgskriterium fokussiert sich speziell auf die Farbwahrnehmung. Bilder mit Farbunterschieden müssen eine Textalternative enthalten, die diese Informationen wiedergibt.
1.4.2 Audiosteuerung
- Identifikation von Auto-Audio
Besuchen Sie die Webseite.
Identifizieren Sie alle Audioinhalte, die automatisch abgespielt werden. - Dauer der Wiedergabe
Prüfen Sie, ob die automatische Wiedergabe länger als 3 Sekunden dauert. - Kontrollmechanismen
Wenn Audio länger als 3 Sekunden automatisch abgespielt wird, suchen Sie nach einem klaren und zugänglichen Mechanismus zum Pausieren oder Stoppen des Audios.
Prüfen Sie, ob eine unabhängige Lautstärkeregelung (separat von der Systemlautstärke) verfügbar ist.
Ideal ist, wenn Audio nur auf Benutzeranfrage abgespielt wird.
Dieses Kriterium gilt für alle Inhalte auf der Webseite, unabhängig davon, ob sie zur Erfüllung anderer Erfolgskriterien verwendet werden, da eine Nichteinhaltung die gesamte Seitennutzung beeinträchtigen kann (Non-Interference).
Stellen Sie sicher, dass die Browsereinstellung „Automatische Wiedergabe von Audio-Inhalten verhindern“ deaktiviert ist, um die automatische Wiedergabe korrekt zu testen.
1.4.3 Kontrast (Minimum)
- Identifikation von Text und Textbildern
Scannen Sie die Webseite nach allen Texten und Bildern, die Text enthalten. - Kontrastmessung
Verwenden Sie den Color Contrast Analyser (CCA) oder ähnliche Tools, um das Kontrastverhältnis zwischen Texten/Textbildern und ihrem Hintergrund zu messen.
- Normale Texte: Kontrastverhältnis mindestens 4.5:1.
- Große Texte (mindestens 18 pt oder 14 pt fett): mindestens 3:1.
- Ausnahmen: Prüfen Sie, ob dekorative, inaktive oder unsichtbare Texte wirklich unter die Ausnahmeregelung fallen.
- Achten Sie darauf, dass bei der Angabe einer Textfarbe immer auch eine Hintergrundfarbe definiert ist (und umgekehrt).
- Es kann auch auf die explizite Festlegung von Text- und Hintergrundfarben verzichtet werden, sodass der User Agent die vom Nutzer konfigurierten Farb- und Kontrasteinstellungen anwenden kann.
- Alternative: Bereitstellung einer alternativen, konformen Version der Seite über einen gut sichtbaren Link oder ein Bedienelement, wenn der Kontrast einzelner Bereiche nicht den Anforderungen entspricht.
Das Kontrastverhältnis wird nach der Formel (L1 + 0.05) / (L2 + 0.05) berechnet.
Kontraste sind für Farbpaare zu bewerten, die in der typischen Darstellung nebeneinander erscheinen.
1.4.4 Textvergrößerung
- Textvergrößerung im Browser
Öffnen Sie die Webseite.
Vergrößern Sie die Textgröße auf 200 % (z. B. über Strg + + oder Browser-Einstellungen), dabei nur Text-Zoom verwenden, nicht Seiten-Zoom.
Prüfen Sie, ob Inhalt oder Funktionalität verloren gehen, z.B.:
- Überlappender oder abgeschnittener Text
- Fehlende Bedienelemente
- Unlesbare Layouts
Prüfen Sie, ob Textcontainer mitwachsen.
Überprüfen Sie, ob kein horizontales Scrollen nötig ist, um eine Textzeile auf Vollbild zu lesen.
Formularfelder sollten ebenfalls in ihrer Größe skalieren. - Manuelle Überprüfung der CSS-Einheiten
Nutzen Sie die Developer Tools, um zu kontrollieren, ob relative Einheiten (em, %, rem) für Schriftgrößen und Containergrößen verwendet werden.
Ausnahmen sind Untertitel und Bilder von Text.
Prüfung sollte bei 100 % Textgröße als Standard beginnen.
Ziel ist, dass bei 200 % Textvergrößerung kein horizontales Scrollen notwendig wird.
1.4.5 Bilder von Text
- Identifikation von Textbildern
Scannen Sie die Webseite nach Text, der als Bild statt als echter Text dargestellt wird (z. B. Überschriften, Navigationselemente, Zitate als Bild). - Prüfung der Ausnahmen
- Anpassbarkeit: Kann das Textbild optisch an Benutzeranforderungen angepasst werden (z. B. CSS-gesteuert)?
- Essenzialität: Ist die Darstellung des Textes zwingend notwendig (z. B. Logos)?
- Wenn der Text dekorativ ist und ohne Bedeutungsverlust ersetzt werden kann, gilt er nicht als essenziell. - Alternative Umsetzung
Wenn Text als Bild verwendet wird und nicht unter Ausnahmen fällt, ist das ein Mangel.
Empfohlen: Text als echten Text mit CSS gestalten.
Bei gescannten PDFs: Prüfen, ob OCR eingesetzt wurde, um Text bereitzustellen.
Dieses Kriterium fördert echten Text, der von assistiven Technologien besser verarbeitet werden kann.
Text in Bildern mit viel anderem Inhalt (z. B. Namen auf Fotos) zählt nicht als „Textbild“ im Sinne dieses Kriteriums.
1.4.6 Kontrast (erweitert)
- Identifikation von Text und Textbildern
Scannen Sie die Webseite nach allen Texten und Textbildern. - Kontrastmessung (erhöht)
Nutzen Sie den Color Contrast Analyser (CCA) oder ähnliche Tools.
- Normale Texte: mindestens 7:1 Kontrast.
- Große Texte (mindestens 18 pt oder 14 pt fett): mindestens 4.5:1.
Prüfen Sie Ausnahmen wie nebensächliche Texte und Logos.
Achten Sie darauf, dass bei der Angabe einer Textfarbe immer auch eine Hintergrundfarbe definiert ist (und umgekehrt).
Es kann auch auf die explizite Festlegung von Text- und Hintergrundfarben verzichtet werden, sodass der User Agent die vom Nutzer konfigurierten Farb- und Kontrasteinstellungen anwenden kann.
Alternative: Bereitstellung einer alternativen, konformen Version der Seite über einen gut sichtbaren Link oder ein Bedienelement, wenn der Kontrast einzelner Bereiche nicht den Anforderungen entspricht.
Dieses Kriterium ist strenger als 1.4.3 (AA) und richtet sich an Level AAA.
Bewertungsmethode wie bei 1.4.3, nur mit höheren Schwellenwerten.
Empfohlen wird der Einsatz von Technologien, die User Agents erlauben, Vorder- und Hintergrundfarben von Text zu ändern.
1.4.7 Geringe oder keine Hintergrundgeräusche
- Identifikation:
Nur-Audio-Inhalte mit gesprochener Sprache erkennen (z. B. Podcasts).
Audio-CAPTCHAs, Logos und Musik sind ausgenommen. - Hintergrundgeräusche:
Prüfen, ob keine vorhanden sind.
Wenn vorhanden: Ist ein Mechanismus zur Deaktivierung implementiert?
Falls nicht deaktivierbar: Sind die Hintergrundgeräusche mindestens 20 dB leiser als die Sprache?
Die Messung der Lautstärkeverhältnisse kann mit spezialisierter Software erfolgen.
Kurzzeitige Geräusche (unter zwei Sekunden) sind davon ausgenommen.
1.4.8 Visuelle Präsentation
- Anpassungsmöglichkeiten prüfen:
- Kann der Nutzer Vorder- und Hintergrundfarbe ändern?
- Ist die Textbreite auf max. 80 Zeichen begrenzt (bzw. 40 bei CJK-Schriften)?
- Ist der Text nicht in Blocksatz oder umstellbar auf linksbündig/rechtsbündig?
- Ist der Zeilenabstand mindestens 1,5-fach und der Absatzabstand mindestens 1,5-mal so groß wie der Zeilenabstand (oder anpassbar)?
- Lässt sich der Text auf bis zu 200 % vergrößern, ohne horizontales Scrollen? - Technische Überprüfung:
Mit Developer Tools prüfen: CSS-Eigenschaften wieline-height,letter-spacing,text-align.
Browser-Zoom und eigene Stylesheets zur Simulation nutzen.
Tools wie das „Textabstände“-Bookmarklet zur Darstellungskontrolle einsetzen.
Der Mechanismus zur Anpassung kann im Browser oder durch ein Interface-Feature der Seite bereitgestellt werden.
Das Kriterium fordert die Verfügbarkeit eines Mechanismus, nicht zwingend die Umsetzung der Werte als Standard.
1.4.9 Bilder von Text (ohne Ausnahmen)
- Identifikation:
Auf der Webseite nach Text suchen, der in Form von Bildern eingebunden ist. - Ausnahmen streng prüfen:
- Dekorativ: Ist das Textbild rein dekorativ (ohne Informationsverlust ersetzbar)?
- Unerlässlich: Ist die grafische Darstellung zwingend notwendig (z.B. Logo, wissenschaftliche Visualisierung)? - Alternative Umsetzungen:
- Ist echtes HTML/CSS-Textäquivalent möglich?
- Bei PDFs: Wurde OCR eingesetzt, um zugänglichen Text bereitzustellen?
Dieses Kriterium ist eine AAA-Anforderung mit sehr restriktiven Ausnahmen.
Ziel ist vollständige Anpassbarkeit (Größe, Farbe, Kontrast etc.) durch assistive Technologien.
1.4.10 Reflow (Anpassen an Bildschirmgröße)
- Viewport-Simulation:
Browserfenster auf 320 CSS-Pixel Breite oder 256 CSS-Pixel Höhe verkleinern.
Prüfen, ob Inhalte verloren gehen oder horizontales Scrollen nötig wird. - Ausnahmen erkennen:
Karten, Tabellen, Diagramme, Spiele usw. dürfen zweidimensionales Layout erfordern – hier ist Scrollen erlaubt. - Technikprüfung:
Wird CSS Flexbox oder Grid zur responsiven Anpassung verwendet?
Ist ein Layoutwechsel möglich, der Scrollen vermeidet?
Bleiben Inhalte sichtbar und bedienbar?
Reflow (dynamisches Anpassen an Bildschirmgrößen) ist besonders wichtig für mobile Nutzer und Personen mit Sehbehinderung.
Keine Inhalte dürfen durch Verkleinerung verschwinden oder ihre Funktion verlieren.
1.4.11 Kontrast für Nicht-Text-Inhalte
- Komponenten identifizieren:
UI-Elemente (z.B. Buttons, Checkboxen, Fokusrahmen, Icon-Symbole, Bedienelemente)
Bedeutungsvolle Grafiken (z.B. Pfeile, Statusindikatoren) - Kontrast messen:
Farbkontrast zwischen dem relevanten Teil des Elements (z.B. Umriss, Füllung) und dem Hintergrund prüfen.
Mindestverhältnis: 3:1
Wenn das erforderliche Kontrastverhältnis nicht erreicht wird: Besteht die Möglichkeit, zu einer kontrastreichen Darstellung zu wechseln? - Ausnahmen prüfen:
Inaktive Elemente
Elemente mit vom Browser bestimmten Standard-Styles
Grafiken, deren besondere Darstellung notwendig ist
Besonders Fokusindikatoren dürfen nicht unsichtbar oder kontrastarm sein.
Ein typischer Fehler ist es, UI-Elemente ohne ausreichenden Kontrast zum Hintergrund darzustellen.
1.4.12 Zeichen- und Zeilenabstand
Folgende Mindestwerte müssen dabei funktionieren:
- Zeilenabstand: mindestens 1,5-fache Schriftgröße
- Abstand nach Absätzen: mindestens das Doppelte der Schriftgröße
- Buchstabenabstand: mindestens 0,12-fache Schriftgröße
- Wortabstand: mindestens 0,16-fache Schriftgröße
Ausnahme:
Wenn eine Sprache oder Schriftart manche dieser Abstände nicht verwendet, gelten nur die passenden Einstellungen.
- Simulation von Abständen:
Verwenden Sie Tools (z.B. Developer Tools oder Bookmarklet „Textabstände“), um die oben genannten Werte in CSS zu simulieren.
Ändern Sie nur die genannten Eigenschaften - keine anderen CSS-Werte. - Überprüfung auf Auswirkung:
Inhalte dürfen nicht abgeschnitten, überlagert oder unlesbar werden.
Bedienbarkeit muss erhalten bleiben (z.B. klickbare Links, sichtbare Buttons).
Kein horizontales Scrollen darf erforderlich sein.
Formularfelder und andere interaktive Elemente müssen korrekt dargestellt bleiben.
Der Inhalt muss die Abstände nicht standardmäßig nutzen, er muss lediglich robust bei deren Anwendung sein.
1.4.13 Inhalte bei Hover oder Fokus
- Dismissible: Der Inhalt kann geschlossen werden, ohne Maus oder Tastaturfokus zu verändern.
- Hoverable: Der Mauszeiger kann über den eingeblendeten Inhalt bewegt werden, ohne dass dieser verschwindet.
- Persistent: Der Inhalt bleibt sichtbar, bis er aktiv geschlossen wird, der Auslöser entfernt wird oder die Information nicht mehr relevant ist.
Wenn der zusätzliche Inhalt vom User Agent selbst gesteuert wird und nicht vom Entwickler verändert wurde, müssen diese Anforderungen nicht erfüllt werden.
- Identifikation interaktiver Inhalte:
Suchen Sie nach Inhalten, die beim Maus-Hover oder Tastaturfokus eingeblendet werden (z.B. Tooltips, Fehlermeldungen, Dropdowns). - Drei zentrale Anforderungen:
- Schließbar (Dismissible): Der zusätzliche Inhalt muss ohne Mausbewegung oder Fokusverlust geschlossen werden können, z.B. über die Esc-Taste.
- Hoverbar: Nutzer müssen den Mauszeiger auf den eingeblendeten Inhalt bewegen können, ohne dass er verschwindet.
- Persistent (Beständigkeit): Der Inhalt bleibt so lange sichtbar, bis der Auslöser entfernt wird, der Benutzer ihn schließt oder er nicht mehr relevant ist. - Technische Überprüfung:
CSS und JavaScript-Funktionen untersuchen, die das Ein-/Ausblenden steuern.
Tastaturnavigation testen (Tabulator-Taste) und Fokusindikatoren prüfen.
Tooltips durch das title-Attribut sind vom Browser gesteuert und nicht betroffen.
Die Anforderungen gelten nur für Inhalte, die zusätzlich zur auslösenden Komponente eingeblendet werden.
Prinzip: Bedienbar
2.1.1 Ohne Maus nutzbar
Prüfschritte zur Tastaturzugänglichkeit:
- Webseite im Firefox öffnen und den Fokus ins Browserfenster bringen (z. B. F6).
- Mit der Tab-Taste systematisch alle Links, Schaltflächen, Formularelemente und sonstigen interaktiven Komponenten durchlaufen.
- Prüfen, ob jedes Element per Tab erreichbar und mit Enter oder Leertaste (Space) aktivierbar ist.
- Für Auswahllisten (select-Elemente): Mit Pfeiltasten und Enter navigieren. Falls per onchange reagiert wird: Mit Alt + Pfeil ↓ öffnen und dann mit Pfeil ↑/↓ Auswahl treffen.
- Sichtbare Steuerelemente mit Mausinteraktionen (z. B. Hover-Effekte, Kontextmenüs) auf Tastatur-Äquivalente (Fokus-Trigger) prüfen.
- Scrollbare Bereiche (Overlays, Scrollpanes) per Tab, Pfeil- oder Bild-Tasten ansteuern und durchlaufen.
- Schritte 1–6 in Chrome wiederholen, um die browserübergreifende Tastaturzugänglichkeit zu verifizieren.
- Prüfung immer mit aktiviertem JavaScript durchführen, da Probleme meist durch Scripts verursacht werden.
- Browser-Fokus muss korrekt per Tastatur (F6) ins Fenster geholt werden - niemals durch Mausklick ins Fenster, da dies den Test verfälscht.
- Bei Dropdown-Listen ohne Submit-Button: Mit Alt + Pfeil nach unten öffnen, dann mit Pfeiltasten navigieren und mit Enter auswählen (verhindert ungewollte Auslösung der ersten Option).
- Tastaturbedienung muss nicht identisch zur Mausbedienung funktionieren - verschiedene Wege zum gleichen Ziel sind erlaubt.
- Wenn NVDA-Screenreader Elemente nicht aktivieren kann oder nur mit zusätzlicher Alt-Taste: deutet auf fehlerhafte ARIA-Implementierung hin.
- Unwichtige Browser-eigene Funktionen (wie "Fenster schließen") müssen nicht tastaturzugänglich gemacht werden.
2.1.2 Keine Tastaturfalle
- Webseite in Firefox öffnen.
- Fokus ins Browserfenster bringen (z. B. F6 oder Klick in den Seitenbereich, dann Tab).
- Vorwärtsnavigation: Mit Tab-Taste alle interaktiven Elemente (Links, Buttons, Formulareingaben, Widgets, Modals, Karussells, Akkordeons etc.) durchlaufen. Prüfen, ob der Fokus jedes Element wieder verlassen kann.
- Rückwärtsnavigation: Mit Shift + Tab die Navigation rückwärts prüfen – auch hier muss jedes Element verlassen werden können.
- Spezialfälle testen: Modale/Lightboxen (Prüfen, ob der Fokus im Modal zirkuliert, aber über Esc oder Schließen-Button wieder in den Hauptinhalt zurückkehrt), Iframes / eingebettete Inhalte (Sicherstellen, dass der Fokus den eingebetteten Bereich wieder verlassen kann), Komplexe Widgets (Fokus darf nicht blockiert werden, auch bei dynamisch geladenen Elementen).
- Abweichende Tastenkombinationen: Falls zum Verlassen eines Elements andere Tasten als Tab/Shift + Tab nötig sind (z. B. Esc), muss diese Info klar erkennbar sein.
- Prüfung in mindestens einem weiteren Browser (z. B. Chrome) wiederholen.
- Test mit aktiviertem JavaScript durchführen, da Tastaturfallen meist durch Scripts entstehen.
- Besonders prüfen, ob Tastaturfallen den Zugang zu nachfolgenden Seitenbereichen blockieren.
- Falls Inhalte nach der Tastaturfalle nicht erreichbar sind, ist möglicherweise auch Prüfschritt 2.1.1 "Ohne Maus nutzbar" nicht erfüllt.
2.1.3 Tastatur
- Umfassende Tastaturnavigation: Webseite vollständig laden, systematisch mit Tab (vorwärts) und Shift + Tab (rückwärts) alle interaktiven Elemente durchlaufen, auch eingeblendete Inhalte (Pop-ups, Modals, Akkordeons, Dropdowns, Tooltips) testen.
- Vollständige Funktionsprüfung: Jede Funktion, die per Maus nutzbar ist (z. B. Formulare absenden, Medienplayer steuern, Bildergalerien bedienen), muss auch per Tastatur nutzbar sein. Steuerung darf nicht auf Maus-spezifische Gesten angewiesen sein.
- Unabhängigkeit vom Timing: Testen, ob eine Funktion nur funktioniert, wenn Tasten in einem engen Zeitfenster gedrückt werden. Beispiel: Ein Slider, der nur reagiert, wenn die Pfeiltaste sehr schnell mehrmals gedrückt wird. Solche Timing-Anforderungen sind nicht zulässig.
- Keine Ausnahmen: Es darf kein Element oder Funktion geben, die nicht tastaturbedienbar ist. Falls eine Interaktion spezielle Tasten erfordert (z. B. Esc zum Schließen eines Modals), muss dies klar und sichtbar kommuniziert werden.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.1.4 Tastatur-Kurzbefehle abschaltbar oder anpassbar
- Test auf Einzeltasten-Shortcuts: Nacheinander alle Buchstaben-, Zahlen- und Symboltasten ohne Modifikatortaste drücken (z. B. a, b, 1, !). Vorgang wiederholen, während Shift gedrückt wird (z. B. A, B, @, %). Beobachten, ob dabei Aktionen ausgelöst werden (z. B. Ansicht ändern, Medien starten/stoppen, Inhalte ein-/ausblenden).
- Prüfung der Steuerungsmöglichkeiten: Falls Einzeltasten-Kurzbefehle aktiv sind, prüfen, ob eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist: Abschalten möglich (Es gibt eine Einstellung, um den Shortcut zu deaktivieren), Anpassung möglich (Shortcut kann so geändert werden, dass er Modifikatortasten erfordert, z. B. Strg + K statt nur k), Nur bei Fokus aktiv (Shortcut funktioniert nur, wenn die entsprechende Komponente, z. B. Medienplayer, den Fokus hat).
- Fokus-Test (falls zutreffend): Fokus auf die zugehörige Komponente setzen, Shortcut auslösen → Funktion muss reagieren. Fokus entfernen, Shortcut auslösen → Funktion darf nicht reagieren.
- Ausnahme für kontextbezogene Shortcuts: Kurzbefehle sind erlaubt, wenn sie nur bei fokussierten Elementen aktiv sind (Beispiel: Buchstabe drücken für Navigation in Auswahlliste).
- Technische Prüfung: Im Code nach Event-Handlern suchen wie document.addEventListener oder .keycode-Eigenschaft (nicht 100% zuverlässig).
- Browser-eigene Shortcuts können Testverfahren stören (z.B. Shift+/ öffnet Firefox-Suche).
- Bei Browser-Störungen: ESC drücken oder auf leeren Seitenbereich klicken, um Fokus aus Browser-Suche zu entfernen.
2.2.1 Zeitbegrenzungen anpassbar
- Auto-Aktualisierung / Redirect prüfen: Im Seitenquelltext (head) nach meta http-equiv="refresh" suchen. Wenn vorhanden und content > 0 → prüfen, ob Abschalt- oder Anpassungsmöglichkeit existiert. content="0" ohne URL → keine zeitliche Begrenzung. Sofortige Weiterleitungen mit URL (content="0;url=...") können andere Kriterien betreffen.
- Sichtbare Zeitbegrenzungen prüfen: Wird eine verbleibende Zeit angezeigt (z. B. Session-Ende, Formular-Abgabe)? Setzen Interaktionen die Zeit zurück oder verlängern sie diese? Erscheint ≥ 20 s vor Ablauf ein Hinweis/Popup mit Verlängerungsoption oder Deaktivierung?
- Nicht sichtbare Sessions prüfen: Interaktive Seite (z. B. Formular) 20 Minuten inaktiv lassen. Prüfen: Vor Ablauf Warnung oder Verlängerungsoption vorhanden? Ausnahme: Daten bleiben > 20 m ohne Aktion erhalten. Keine nachträgliche Time-out-Meldung erst beim Absenden.
- Zeitbegrenzte Statusmeldungen prüfen: Automatisch verschwindende Meldungen (z. B. „Gespeichert") identifizieren. Problematisch, wenn sie einzige Informationsquelle sind und zu kurz sichtbar → Alternative oder dauerhafte Anzeige nötig.
- Temporäre Statusmeldungen (wie Toast-Notifications) sind erlaubt, wenn es alternative dauerhafte Informationswege gibt.
- Beispiel: E-Mail-Eingangs-Toast ist akzeptabel, wenn Nutzer den Posteingang auch manuell abrufen können.
- Nur inhaltlich gesetzte Zeitbegrenzungen werden geprüft - externe Zeitbegrenzungen (Browser-Timeouts, Server außerhalb der Website) fallen nicht unter diese Anforderung.
- Problem bei der Prüfung: Zeitbegrenzungen sind oft nur serverseitig gesetzt und nicht im Quellcode der Seite erkennbar.
2.2.2 Bewegte Inhalte abschaltbar
- Identifizieren Sie alle bewegten, blinkenden, scrollenden oder automatisch aktualisierten Inhalte auf der Webseite.
- Beobachten Sie unmittelbar nach dem Laden der Seite, ob diese Inhalte automatisch innerhalb von 5 Sekunden stoppen.
- Falls die Bewegung/Aktualisierung länger als 5 Sekunden andauert und nicht als „essenziell" eingestuft ist: Suchen Sie nach einem gut sichtbaren Button oder Link (idealerweise am Anfang des bewegten Inhalts oder Kontextes), der es ermöglicht, die Bewegung zu pausieren, zu stoppen, auszublenden oder bei automatisch aktualisierten Inhalten die Aktualisierungsfrequenz zu steuern.
- Aktivieren Sie den Mechanismus und prüfen Sie, ob die Bewegung/Aktualisierung tatsächlich anhält und nicht von selbst erneut startet, außer bei erneuter Aktivierung durch die Nutzer.
- (Optional) Testen Sie, ob bei erneuter Aktivierung die Bewegung fortsetzbar an der letzten Position ist.
- Beachten Sie, dass technische Einschränkungen erlauben, dass Inhalte, die zwischen Pause und Wiederaufnahme erzeugt werden, nicht unbedingt angezeigt werden müssen.
- Stop-Schaltfläche muss deutlich sichtbar und eindeutig beschriftet sein.
- Empfohlene Platzierung: Am Seitenbeginn oder in direktem Kontext des bewegten Inhalts.
- Nach dem Stoppen müssen alle Inhalte weiterhin vollständig verfügbar bleiben.
- Regel gilt gleichermaßen für Werbung und redaktionelle Inhalte - keine Unterscheidung.
2.2.3 Kein Timing
- Überprüfen, ob im Webinhalt zeitliche Begrenzungen existieren, die Nutzer einschränken.
- Bewerten, ob vorhandene Zeitbegrenzungen zu den definierten Ausnahmen (nicht-interaktive synchronisierte Medien oder Echtzeit-Ereignisse) gehören.
- Falls keine Ausnahme zutrifft, ist das Erfolgskriterium nicht erfüllt.
- Wichtige Ausnahmen: Nicht-interaktive synchronisierte Medien (z. B. reine Informationsvideos) und Echtzeit-Ereignisse (z. B. Live-Übertragungen, Online-Auktionen, virtuelle Welten).
- Das Kriterium erweitert die Anforderungen aus WCAG 2.2.1 und 2.2.2 um eine noch strengere Vorgabe für maximale Zugänglichkeit.
2.2.4 Unterbrechungen
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite in Ihrem Webbrowser.
- Durchsuchen Sie die Webseite nach Elementen oder Prozessen, die eine Unterbrechung darstellen könnten: Automatisch aufpoppende Dialogfenster oder Meldungen (z. B. Cookie-Banner, Newsletter-Anmeldungen, Live-Chat-Anfragen), die nicht direkt durch eine Nutzeraktion ausgelöst wurden, unerwartete Änderungen im Inhalt oder Kontext, die nicht durch Benutzeraktionen hervorgerufen wurden, Push-Benachrichtigungen oder Systemmeldungen, die im Browser oder auf der Seite erscheinen.
- Prüfen Sie bei jeder identifizierten nicht-notfallbezogenen Unterbrechung, ob ein Mechanismus zur Verfügung steht, um diese zu verschieben oder zu unterdrücken.
- Wenn eine Unterbrechung auftritt, die als Notfall klassifiziert wird, prüfen Sie kritisch, ob diese Klassifizierung tatsächlich der Definition entspricht.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.2.5 Neu-Authentifizierung
- Öffnen Sie eine authentifizierte Webseite oder Anwendung, bei der eine Anmeldung erforderlich ist.
- Starten Sie eine länger andauernde Aktivität (z. B. Formular ausfüllen, Warenkorb füllen).
- Lassen Sie die Sitzung absichtlich ablaufen, z. B. durch Inaktivität oder erzwingen Sie einen Logout.
- Melden Sie sich erneut an (Neu-Authentifizierung).
- Prüfen Sie, ob die begonnene Aktivität an der gleichen Stelle fortgesetzt werden kann und ob keine Daten verloren gegangen sind (z. B. Eingaben im Formular, Warenkorbinhalt).
- Vergewissern Sie sich, dass der Nutzer nicht gezwungen ist, die Aktivität komplett neu zu beginnen.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.2.6 Zeitüberschreitungen
- Identifizieren Sie Bereiche der Webanwendung mit längeren datenrelevanten Aktivitäten (z. B. Formulare, Warenkorb, mehrstufige Prozesse).
- Starten Sie eine Aktivität und geben Sie Daten ein oder ändern Sie den Zustand.
- Simulieren Sie Inaktivität, die zu einem Timeout führen kann.
- Prüfen Sie bei Timeouts unter 20 Stunden, ob eine Warnmeldung erscheint, die die Dauer der Inaktivität angibt, und vor dem drohenden Datenverlust warnt.
- Prüfen Sie bei Timeouts ab 20 Stunden, ob die Daten ohne Benutzeraktion erhalten bleiben, auch wenn keine Warnung erfolgt.
- Melden Sie sich bei Ablauf der Sitzung ggf. erneut an und prüfen Sie, ob die Daten erhalten bleiben und die Aktivität fortgesetzt werden kann.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.3.1 Verzicht auf Flackern
- Beobachten Sie die Webseite sorgfältig auf visuelle Elemente mit schnellen Helligkeits- oder Farbwechseln (Flashes).
- Prüfen Sie, ob diese Flashes innerhalb einer beliebigen Ein-Sekunden-Periode mehr als drei „general flashes" oder „red flashes" umfassen.
- Prüfen Sie die Größe der blinkenden Flächen: Überschreiten die Flashes zusammen mehr als 0,006 Steradiant innerhalb eines 10-Grad-Sichtfelds (ca. 25 % des Bereichs), gilt das Kriterium als nicht erfüllt.
- Ausnahmen: Flashes in feinen Mustern (z. B. Schachbrettmuster mit Quadraten < 0,1 Grad Sichtfeld) gelten nicht als Verstoß.
- Für Grenzfälle oder komplexe Inhalte verwenden Sie geeignete Messwerkzeuge zur Validierung.
- Größere flackernde Bereiche führen zur Abwertung der gesamten Webseitenprüfung.
2.3.2 Drei Flashes
- Prüfung erfolgt durch Beobachtung aller flackernden Inhalte auf mehr als drei Flashes pro Sekunde, unabhängig von Helligkeit, Farbe oder Größe.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.3.3 Animationen aus Interaktionen
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite im Browser.
- Führen Sie gezielte Interaktionen durch (z. B. Klick auf Buttons, Scrollen, Hover über Menüs), um festzustellen, ob Bewegungsanimationen auftreten.
- Unterscheiden Sie zwischen Bewegungsanimation und reinem Farb-/Deckkraftwechsel (letzteres fällt nicht unter das Kriterium).
- Prüfen Sie, ob eine Möglichkeit vorhanden ist, diese Animationen zu deaktivieren:
- Direkt auf der Website (z. B. globaler Einstellungsschalter)
- Über erkannte und respektierte Betriebssystemeinstellungen
- Falls eine Animation laut Anbieter „unerlässlich" ist, bewerten Sie, ob deren Entfernung die Funktion oder den Informationsgehalt tatsächlich grundlegend verändern würde und ob keine alternative barrierefreie Lösung möglich ist.
- Wiederholen Sie die Tests mit deaktivierten Animationen, um sicherzustellen, dass die Funktionalität erhalten bleibt.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.4.1 Bereiche überspringbar
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite.
- Navigieren Sie per Tastatur (Tab-Taste) vom Seitenanfang.
- Prüfen Sie, ob ein sichtbarer oder beim Fokuserhalt eingeblendeter „Skip-Link" oder ein vergleichbarer Mechanismus vorhanden ist.
- Aktivieren Sie den Skip-Link und prüfen Sie, ob der Fokus direkt zum Hauptinhalt springt und die wiederholten Navigationsbereiche umgeht.
- Alternativ prüfen Sie, ob der Hauptinhalt korrekt mit Landmark-Rollen oder Ankern ausgezeichnet ist, sodass Screenreader-Nutzer direkt dorthin springen können.
- Wiederholen Sie den Test auf mehreren Unterseiten, um sicherzustellen, dass der Mechanismus konsistent funktioniert.
- Eigenständige Bereiche sind: Navigationsbereiche, Hauptinhaltsbereich, Zusatzinhalte, Fußbereich.
- Fußbereich gilt nicht als eigenständiger Bereich, wenn dort nur redundante Links, Copyright-Hinweise oder Datumsangaben stehen.
- Sprunglinks und ARIA-Landmarks sind nicht grundsätzlich erforderlich - abhängig von Inhalt und Komplexität der Seite.
- Mehrfach verwendete Landmarks (z.B. mehrere nav-Elemente) brauchen aussagekräftige Bezeichnungen über aria-label oder aria-labelledby.
- Breadcrumb-Navigation benötigt vorangestellte Kennzeichnung wie "Sie sind hier" oder "Navigationspfad" (kann versteckt sein für Screenreader).
- iframe-Elemente: title-Attribut soll Zweck oder Inhalt beschreiben ("Werbung", "Social Media"), nicht die Position ("rechts", "oben").
2.4.2 Sinnvolle Dokumenttitel
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite im Browser.
- Rufen Sie den Quelltext oder die Entwicklertools auf (z. B. mit F12 oder Rechtsklick → "Seitenquelltext anzeigen").
- Suchen Sie im head-Bereich nach dem title-Element.
- Prüfen Sie den Inhalt:
- Ist der Titel aussagekräftig und beschreibt er klar den Inhalt/Zweck der Seite?
- Besteht er nicht nur aus generischen Begriffen wie „Startseite" oder ausschließlich dem Domainnamen?
- (Optional) Lesen Sie den Titel mit einem Screenreader oder im Lesezeichen-Dialog vor:
- Wird das Hauptthema der Seite klar vermittelt?
- Lässt sich die Seite eindeutig von anderen Seiten derselben Website unterscheiden?
- Titel muss nicht den kompletten Navigationspfad von der Startseite zur aktuellen Seite wiedergeben.
- Guter Titel soll die Seite in Bookmark-Listen sinnvoll vertreten können.
- Empfohlene Struktur: Seitenname - Webseitenname (erst Spezifisches, dann Allgemeines).
- Beispiel: "Kontakt - Musterfirma GmbH" statt nur "Kontakt"
2.4.3 Schlüssige Reihenfolge bei der Tastaturbedienung
- Seite am logischen Startpunkt (z. B. ganz oben) aufrufen.
- Mit der Tab-Taste durch alle fokussierbaren Elemente navigieren (Links, Buttons, Formularfelder, Bedienelemente etc.).
- Prüfen, ob die Fokusreihenfolge:
- einer logischen visuellen und inhaltlichen Abfolge folgt (bei LTR-Sprachen: von oben nach unten, von links nach rechts),
- innerhalb zusammenhängender Inhaltsbereiche bleibt,
- in Formularen der erwarteten Eingabereihenfolge entspricht.
- Prüfen, ob die Reihenfolge Bedeutung und Bedienbarkeit erhält (keine Sprünge zwischen unzusammenhängenden Bereichen, keine Sackgassen oder unerwarteten Fokuswechsel).
- Mit Shift + Tab die umgekehrte Fokusreihenfolge kontrollieren.
- Besondere Fälle testen: Modale Dialoge / Pop-ups, Dynamische Inhalte, Sprunglinks.
- Tab-Reihenfolge soll im Wesentlichen der visuellen Anordnung auf dem Bildschirm folgen.
- Kleinere Abweichungen sind akzeptabel, wenn sie logisch nachvollziehbar sind.
- Unsichtbare Sprunglinks hintereinander erschweren die Nachvollziehbarkeit der Tab-Reihenfolge.
- Bei schlechter Fokus-Sichtbarkeit: "Show Tab Focus"-Bookmarklet von Jeff Smith zur Hervorhebung verwenden.
- Wichtiger Prüfhinweis: Fokus muss per F6 ins Browser-Fenster geholt werden, nicht per Mausklick (verfälscht sonst den Test).
- Dropdown-Listen mit onchange-Verhalten: Alt + Pfeil nach unten zum sicheren Durchblättern verwenden.
- Orientierung für Widget-Verhalten: ARIA Authoring Practices Guide konsultieren
2.4.4 Aussagekräftige Linktexte
- Navigieren Sie durch die gesamte Webseite und identifizieren Sie alle Links.
- Prüfen Sie, ob der Linktext allein den Zweck oder das Ziel des Links eindeutig beschreibt.
- Falls der Linktext allein nicht aussagekräftig ist, prüfen Sie, ob der Zweck durch den programmatisch ermittelbaren Kontext erkennbar wird:
- Typische Quellen für diesen Kontext: Text im selben Absatz, Listeneintrag oder derselben Tabellenzelle wie der Link.
- Text in einer verknüpften Tabellenkopfzelle.
- Kontext aus dem Satz, in dem sich der Link befindet.
- Simulieren Sie die Nutzung mit einem Screenreader, um zu prüfen, ob der Kontext korrekt vorgelesen wird.
- Prüfen Sie, ob Links vorliegen, deren Zweck allgemein mehrdeutig ist (selbst für Nutzende ohne Behinderung). Solche Links sind eine Ausnahme und gelten als konform.
- URLs und E-Mail-Adressen sind durch ihr Format selbsterklärend und werden nicht negativ bewertet.
- Bei verlinkten Grafiken: Der alt-Text des Bildes fungiert als Linktext.
- Unspezifische Links wie "mehr", "weiter" in Listenelementen sind akzeptabel, wenn der Kontext aus der Umgebung klar hervorgeht.
- Als Kontext gelten: umschließender Absatz, Listenpunkt oder vorangehende Überschrift.
- Mit display:none versteckter zusätzlicher Linktext wird von Screenreadern ignoriert und verbessert die Aussagekraft nicht.
- Das title-Attribut von Links wird nicht zuverlässig von allen Screenreadern ausgewertet (abhängig von Einstellungen).
2.4.5 Alternative Zugangswege
- Prüfen Sie, ob mindestens zwei der folgenden Mechanismen verfügbar sind:
- Durchgängig sichtbare, hierarchische Navigationsmenüs (z. B. Hauptnavigation, Breadcrumbs)
- Inhaltsverzeichnis (Sitemap) oder Seitenübersicht
- Suchfunktion (Suchfeld direkt auf der Seite oder Link zu Suchseite)
- Vollständige Seitenliste, verlinkt von der Startseite oder auf Unterseiten
- Sequenzielle Navigation („Zurück" / „Weiter") über die gesamte Seitenmenge hinweg
- Prozessnavigation (nur bei klar abzugrenzenden Workflows)
- Nutzen Sie jeden identifizierten Weg stichprobenhaft und stellen Sie sicher, dass er tatsächlich zum Aufruf von Inhalten führt.
- Bestätigen Sie, dass mindestens zwei unterschiedliche Zugangswege existieren, die sich gegenseitig ergänzen (z. B. Menü + Suche).
- Hierarchische Menüs müssen nicht alle Unterebenen der Website vollständig abbilden.
- Die Kombination aus Hauptmenü plus Bereichsmenü gilt als ein einziger Zugangsweg.
- Breadcrumb-Navigation gilt nicht als eigenständiger Zugangsweg (ermöglicht nur Navigation aufwärts, nicht zu tieferen Ebenen).
- Bei kleinen Websites: Startseite mit vollständiger Verlinkung zu allen Unterseiten kann als Sitemap fungieren.
- Sequenzielle Prozesse (Checkout, Registrierung): Fehlende weitere Navigationsmöglichkeiten sind nicht negativ zu bewerten, da Seiten nur im Prozesskontext Sinn machen
2.4.6 Aussagekräftige Überschriften und Beschriftungen
- Überschriften prüfen:
- Nutzen Sie ein Überschriften-Bookmarklet („Inhalte gegliedert") oder die Developer Tools, um die Hierarchie und den Wortlaut aller h1–h6-Elemente zu überprüfen.
- Stellen Sie sicher, dass jede Überschrift den unmittelbar folgenden Abschnitt treffend beschreibt und nicht nur dekorativ ist.
- Beschriftungen von Formularelementen prüfen:
- Kontrollieren Sie für jedes Eingabefeld, jede Checkbox, jedes Radio-Element und jede Schaltfläche, dass ein zugeordnetes label, aria-label oder aria-labelledby existiert.
- Prüfen Sie, ob der sichtbare Labeltext (oder das aria-label) Zweck und erwarteten Inhalt des Felds eindeutig vermittelt.
- Gruppenbeschriftungen (fieldset/legend) prüfen:
- Verifizieren Sie bei Feldgruppen (z. B. Radio-Gruppen), dass ein fieldset mit einem sinnvollen legend eingesetzt wird.
- Verborgene Labels und ARIA prüfen:
- Suchen Sie in den Developer Tools nach aria-label und aria-labelledby und bewerten Sie deren Aussagekraft und Sprache.
- Bei Fachanwendungen: Fachbegriffe, Abkürzungen und Codes sind für die Zielgruppe akzeptabel.
- Fachsprache bringt Vorteile mit sich: Wiedererkennbarkeit, Präzision und Kürze.
- Muss nicht allgemeinverständlich sein, wenn es für die spezifische Zielgruppe aussagekräftig ist.
- Fachausdrücke müssen erlernt werden, das ist bei entsprechenden Anwendungen vertretbar
2.4.7 Aktuelle Position des Fokus deutlich
- Mit Tabulator alle interaktiven Elemente (Links, Buttons, Formulare) durchgehen und prüfen, ob eine visuelle Fokushervorhebung vorhanden ist (z. B. Rahmen, Outline, Farbwechsel, Unterstreichung, Icon).
- Prüfen, ob versteckte Sprunglinks bei Fokuserhalt eingeblendet werden.
- Erkennt die Hervorhebung ausschließlich über Farbwechsel: Für Level AA muss die Sichtbarkeit klar erkennbar sein.
- Prüfen, ob der Standard-Browser-Fokus (outline) auf individuellen Hintergründen gut sichtbar ist.
- Falls unklar, Kontrast mit Developer-Tools messen: Ist der Fokusindikator ein grafisches Element, muss der Kontrast zu angrenzenden Farben ≥ 3:1 sein.
- Schritte 1–5 in Chrome wiederholen, um Browser-Konsistenz zu prüfen.
- Test muss mit aktiviertem JavaScript erfolgen, da Scripts die Fokushervorhebung beeinflussen können.
- Kompletter Verlust des Tastaturfokus (durch JavaScript blur() oder CSS outline:none) ist ein Fehler.
- Standard-Browser-Fokus ist grundsätzlich ausreichend, kann aber bei gestalteten Hintergründen schlecht sichtbar sein.
- Gezielte CSS-Gestaltung über :focus-Pseudoklasse stellt bessere Sichtbarkeit sicher.
- Bei Fokus-Hervorhebung nur über Farbänderung: Kontrast von mindestens 3:1 zum unfokussierten Zustand erforderlich.
- Wenn Standard-Browser-Fokus sichtbar ist: Prüfschritt erfüllt (eventuelle Kontrastprobleme werden in Prüfschritt 9.1.4.11 bewertet)
2.4.8 Standort
- Durch verschiedene Seiten navigieren (z. B. Unterseiten, Kapitel, Schritte im Bestellprozess).
- Visuelle Prüfung auf Standortinformationen:
- Breadcrumb-Navigation: Ist sie vorhanden und zeigt den Pfad von der Startseite zur aktuellen Seite? Sind die Schritte klar beschriftet? Ist der letzte Eintrag als aktuelle Seite erkennbar?
- Hervorhebung in Haupt-/Sekundärnavigation: Ist der Link zur aktuellen Seite visuell hervorgehoben?
- Seitenüberschriften und -titel: Gibt der title und/oder die h1-Überschrift Aufschluss über die aktuelle Seite im Kontext des gesamten Satzes?
- Sitemap oder Inhaltsverzeichnis: Gibt es einen leicht zugänglichen Link zu einer Sitemap?
- Programmatische Prüfung (optional): Mit Entwicklertools prüfen, ob Standortinformationen semantisch korrekt ausgezeichnet sind.
- Prüfung mit Hilfstechnologien (Screenreader): Navigation mit Screenreader testen.
- Konsistenzprüfung: Sicherstellen, dass Standortinformationen und deren Darstellung über alle Seiten eines Satzes konsistent sind.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.4.9 Link Purpose
- Identifikation aller Links: Alle Links eines „Satzes von Webseiten" erfassen (Text, Bilder, Skripte).
- Visuelle Prüfung des Linktexts isoliert:
- Jeden Linktext ohne Kontext betrachten.
- Frage: Ist der Zweck des Links aus dem Text klar erkennbar?
- Prüfung mit Screenreader (Kontextunabhängigkeit):
- Mit Screenreader nur Links auf der Seite navigieren.
- Sicherstellen, dass Linkzweck ohne Kontext erkennbar ist.
- Prüfung der Ausnahme „Mehrdeutig für alle Benutzer":
- Links, deren Zweck nicht klar ist, auf diese Ausnahme prüfen.
- Code-Prüfung (bei Bildlinks): Bildlinks müssen ein aussagekräftiges alt-Attribut haben, das den Linkzweck beschreibt.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.4.10 Abschnittsüberschriften
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite in einem Webbrowser.
- Analysieren Sie den Textinhalt der Seite auf logische Abschnitte.
- Prüfen Sie, ob jeder sinnvolle Abschnitt eine eigene Überschrift besitzt, die den Inhalt klar beschreibt.
- Überprüfen Sie die korrekte hierarchische Struktur der Überschriften (h1 als Hauptüberschrift, h2 als Unterabschnitt etc.).
- Prüfen Sie mit Hilfe der Entwicklertools, ob die Überschriften semantisch mit den entsprechenden HTML-Tags ausgezeichnet sind und nicht nur optisch durch Schriftformatierung realisiert werden.
- (Optional) Nutzen Sie einen Screenreader, navigieren Sie mit der Überschriften-Navigation (z.B. Taste „H") und prüfen Sie, ob die Überschriftenstruktur logisch und vollständig wiedergegeben wird.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.4.11 Fokus nicht verdeckt
- Öffnen Sie die Webseite in Firefox.
- Navigieren Sie mit Tab und Umschalt + Tab durch alle interaktiven Elemente (Links, Buttons, Formulare).
- Beobachten Sie, ob der Tastaturfokus eines Elements jemals vollständig von anderen Inhalten verdeckt wird (z. B. Sticky-Header, Cookie-Hinweis, nicht-modale Dialoge).
- Falls eine vollständige Verdeckung auftritt, prüfen Sie, ob der Nutzer das verdeckte fokussierte Element ohne Fokusverlust wieder sichtbar machen kann, z. B. durch:
- Drücken der Escape-Taste (zum Schließen von Overlays/Popups)
- Scrollen
- Einen definierten Tastaturbefehl zum Wechsel zwischen Overlay und Hauptinhalt
- Wiederholen Sie Schritte 1–4 im Chrome-Browser.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.4.12 Fokus nicht verdeckt (Enhanced)
- Öffnen Sie die Webseite in gängigen Browsern (z. B. Firefox, Chrome), idealerweise auf Desktop und mobil.
- Stellen Sie den Browserzoom auf 100 %.
- Finden Sie alle interaktiven Benutzeroberflächenkomponenten, die den Fokus erhalten können: Links, Buttons, Formularfelder, Widgets, etc.
- Navigieren Sie mit Tab und Umschalt + Tab durch alle interaktiven Elemente.
- Prüfen Sie bei jedem Fokus, ob der Fokusindikator sichtbar ist.
- Kontrollieren Sie, ob irgendein Teil des fokussierten Elements – inklusive Fokusindikator – durch autorseitige Inhalte verdeckt wird.
- Achten Sie darauf, ob die Seite automatisch scrollt, um das Element sichtbar zu machen. Bleibt das Element verdeckt, liegt ein Fehler vor.
- Wiederholen Sie die Navigation und Prüfung bei vergrößertem Zoom (z. B. 200 %, 400 %).
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.4.13 Fokusdarstellung
- Webseite in gängigen Browsern öffnen.
- Mit Tastatur (Tab und Umschalt + Tab) alle interaktiven Elemente (Links, Buttons, Formularfelder, Menüpunkte etc.) durchlaufen.
- Visuell und mit Entwickler-Tools Fokusindikator bei jedem fokussierten Element prüfen:
- Ist die Größe des Fokusindikators mindestens so groß wie der Umriss eines 2px dicken Rahmens des Elements?
- Ist das Kontrastverhältnis des Fokusindikators gegenüber dem nicht fokussierten Zustand mindestens 3:1?
- Prüfen, ob das Element unter eine der Ausnahmen fällt (kein Einfluss durch Autor).
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.5.1 Alternativen für komplexe Zeiger-Gesten
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite im Browser auf einem Touch-fähigen Gerät.
- Identifizieren Sie Funktionen, die komplexe Zeiger-Gesten verwenden, z. B.:
- Karussells oder Slider, die per Wischen (pfadbasierte Geste) gesteuert werden.
- Kartenanwendungen mit Mehrpunkt-Gesten wie Zwei-Finger-Spreizen zum Zoomen.
- Rand-Wischmenüs, die nur durch bestimmte Wischbewegungen bedient werden können.
- Drag-and-Drop-Funktionen, bei denen Elemente durch Ziehbewegungen verschoben werden.
- Für jede gefundene komplexe Geste prüfen Sie, ob eine alternative Bedienmöglichkeit per einfacher Zeigereingabe vorhanden ist.
- Testen Sie, ob die alternativen Bedienelemente die gleiche Funktion auslösen können.
- Unterscheiden Sie Gesten, die vom Browser oder Assistiven Technologien gesteuert werden (System-Gesten), von Webinhalts-Gesten.
- Beachten Sie die Ausnahme für „essenziell" komplexe Gesten.
- Test auf verschiedenen Geräten erforderlich (Desktop und mobile Geräte), da Alternativen möglicherweise nur in bestimmten Umgebungen verfügbar sind.
- Alternativen zur Aktivierung über einfache Zeiger-Gesten müssen in allen relevanten Systemumgebungen und Browsern funktionieren.
- Ausnahme: Funktionen, die natürlich und notwendigerweise auf komplexen Pfaden basieren (Beispiel: Eigene Unterschrift zeichnen)
2.5.2 Zeigergesten-Eingaben können abgebrochen oder widerrufen werden
- Verwenden Sie ein Smartphone, Tablet oder eine Maus an einem Desktop-PC.
- Öffnen Sie die Webseite mit interaktiven Elementen.
- Berühren bzw. klicken Sie auf ein interaktives Element und halten Sie den Zeiger (Finger oder Maus) auf dem Element, ohne loszulassen.
- Beobachten Sie, ob beim Down-Event bereits eine Aktion gestartet wird.
- Wenn ja, prüfen Sie, ob die Aktion vor Abschluss abgebrochen oder nach Abschluss widerrufen werden kann, z. B. durch:
- Wegziehen des Zeigers vor Loslassen (Abbruch vor Fertigstellung)
- Bestätigungsdialog mit Abbrechen-Option zwischen Down- und Up-Event
- Loslassen außerhalb eines gültigen Drop-Ziels (bei Drag-and-Drop springt das Element zurück)
- Undo-Funktion nach Fertigstellung (Widerruf nach Fertigstellung)
- Umkehrung der Aktion beim Up-Event
- Bewerten Sie, ob die Aktion essenziell ist und somit keine Alternative notwendig ist.
- Stichprobenartige Prüfung ist ausreichend, wenn die Umsetzung gleichartig ist.
- Für jede Art von Menüeintrag (Hauptmenü, Untermenü) und Linktyp ein Element testen.
- Browser-Kontextmenüs, die beim Test aufgerufen werden, sind nicht Teil der Prüfung und sollen ignoriert werden.
- Zeiger-Down-Events sind: mousedown, touchstart und pointerdown
2.5.3 Sichtbare Beschriftung Teil des zugänglichen Namens
- Öffnen Sie die Webseite und identifizieren Sie alle interaktiven Elemente mit sichtbarer Beschriftung (z. B. Links, Buttons, Formular-Labels, Checkboxen).
- Ermitteln Sie für jedes Element den zugänglichen Namen mittels Screenreader (z. B. NVDA im Learn-Modus) oder Browser-Entwicklertools im Accessibility-Bereich.
- Vergleichen Sie die sichtbare Beschriftung mit dem zugänglichen Namen:
- Die sichtbare Beschriftung muss exakt wortgleich (inkl. Groß-/Kleinschreibung, Sonderzeichen) im zugänglichen Namen enthalten sein.
- Zusätzlicher Text im zugänglichen Namen ist erlaubt, darf aber die Übereinstimmung des sichtbaren Texts nicht verhindern.
- Stellen Sie sicher, dass zusätzliche Texte den sichtbaren Text nicht überlagern oder ersetzen.
- Screenreader, Browser-Entwicklertools oder Bookmarklet zur Ermittlung des zugänglichen Namens nutzen.
- Beachten: Screenreader-Ausgabe kann zusätzliche Informationen enthalten (Rolle des Elements, zusätzliche Beschreibung), die nicht Teil des zugänglichen Namens sind.
- Sichtbare Beschriftung muss in exakt derselben Zeichenfolge im zugänglichen Namen enthalten sein.
- Zugänglicher Name darf zusätzlichen Text haben, aber der sichtbare Beschriftungstext muss wortgleich vorkommen
2.5.4 Alternativen für Bewegungsaktivierung
- Analysieren Sie den Quellcode auf Sensor-Events wie deviceorientation, devicemotion, proximity oder Kamera-APIs.
- Testen Sie die Webseite auf einem mobilen Gerät oder Emulator durch typische Bewegungen (Neigen, Schütteln etc.).
- Beobachten Sie, ob und wie die Seite auf Bewegungen reagiert (z. B. Änderungen, Aktionen, Navigation).
- Für jede bewegungsbasierte Funktion prüfen, ob eine gleichwertige Alternative über herkömmliche UI-Komponenten (Buttons, Slider, Checkboxen, Dropdowns) existiert.
- Sicherstellen, dass die alternative Bedienung dieselbe Funktionalität und das gleiche Ergebnis bietet.
- Prüfen, ob die alternativen UI-Komponenten barrierefrei sind (Tastaturbedienbarkeit, Fokusindikatoren, Screenreader-Name/Rolle).
- Suchen Sie eine leicht zugängliche Option (z. B. in „Einstellungen", „Barrierefreiheit"), um Bewegungssteuerung zu deaktivieren.
- Testen Sie die Deaktivierung und prüfen Sie, ob die Bewegungserkennung danach nicht mehr reagiert, während alternative Bedienelemente weiter funktionieren.
- Prüfen Sie, ob die Bewegungserkennung über eine barrierefreiheitsunterstützte Schnittstelle realisiert wird oder ob sie „essentiell" ist.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.5.5 Zielgröße (Enhanced)
- Systematisch alle interaktiven Elemente der Seite/Webanwendung identifizieren, die per Zeigereingabe bedienbar sind (z. B. Buttons, Links, Formularfelder, Slider, Hotspots, klickbare Bilder).
- Mithilfe der Entwicklertools die gerenderte Breite und Höhe jedes Zielbereichs in CSS-Pixeln messen.
- Sicherstellen, dass die Größe mindestens 44 x 44 CSS-Pixel beträgt.
- Bei überlappenden Zielen wird der überlappende Bereich nur dann berücksichtigt, wenn beide dieselbe Funktion auslösen.
- Für alle Elemente kleiner als 44 x 44 CSS-Pixel prüfen, ob eine der folgenden Ausnahmen zutrifft:
- Gleichwertige Alternative: Existiert auf derselben Seite eine gleichwertige Bedienmöglichkeit mit mindestens 44 x 44 CSS-Pixel, die leicht auffindbar ist?
- Inline-Element: Handelt es sich um ein Element innerhalb eines Fließtextes (z. B. ein Link im Satz), bei dem die Größe durch die Textzeilenhöhe begrenzt ist?
- Benutzeragent-Kontrolle: Wird die Größe vom Browser oder Betriebssystem vorgegeben und nicht vom Autor verändert (z. B. Standard-Radio-Buttons)?
- Essentielle Darstellung: Würde eine größere Darstellung die Funktion oder Information grundlegend verändern oder ungültig machen?
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.5.6 Gleichzeitige Eingabemechanismen
- Testen Sie die Webseite/Webanwendung mit mehreren Eingabemodalitäten gleichzeitig oder in schnellem Wechsel (z. B. Tastatur + Maus, Maus + Touch).
- Achten Sie darauf, ob das Umschalten blockiert wird oder eine Modalität nach Nutzung einer anderen nicht mehr funktioniert.
- Prüfen Sie, ob Funktionen wie Copy & Paste in Eingabefeldern eingeschränkt werden, sofern keine Sicherheitsgründe vorliegen.
- Beobachten Sie, ob Eingabegeräte plötzlich nur eingeschränkt funktionieren (z. B. Touchpad akzeptiert nur noch bestimmte Gesten).
- Ist eine Einschränkung vorhanden, muss sie einer der drei Ausnahmen zugeordnet werden können:
- Essentiell: Die Einschränkung ist notwendig, da ohne sie die Funktionalität verloren geht und keine alternative konforme Umsetzung möglich ist.
- Sicherheit: Die Einschränkung ist erforderlich, um die Sicherheit sensibler Inhalte zu gewährleisten (z. B. Finanztransaktionen).
- Nutzereinstellungen: Die Einschränkung resultiert aus Nutzereinstellungen auf Plattform/Betriebssystem/Browser und wird nicht vom Autor erzwungen.
- Erfassen Sie die getesteten Eingabemodalitäten und festgestellte Einschränkungen.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.5.7 Ziehbewegungen
- Prüfen, ob Elemente auf der Webseite mittels Ziehbewegung verschoben, sortiert oder abgelegt werden müssen (z. B. Drag-and-Drop-Listen, frei verschiebbare Objekte, Slider mit Drag-Knopf).
- Visuell nach Interaktionen suchen, die „Greifen-und-Ziehen"-Gesten erfordern.
- Für jede Drag-Funktion testen, ob das gleiche Ergebnis durch Tippen/Klicken oder eine Folge solcher Aktionen erreicht werden kann.
- Mögliche alternative Bedienkonzepte prüfen:
- Nach einfachem Klick öffnet sich ein Kontext- oder Aktionsmenü zur Auswahl der Zielposition oder Aktion.
- Pfeilsymbole neben dem Element erlauben schrittweises Verschieben vor-/zurück.
- Bei Slidern führt ein Klick auf die Schiene (Track) zum direkten Positionswechsel.
- Direkte Eingabe eines Positionswerts über eine Eingabemaske.
- Alle Drag-Funktionen und ihre jeweiligen Alternativen dokumentieren.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
2.5.8 Zielgröße (Minimum)
- Alle Elemente erfassen, die per Zeiger bedient werden können (z. B. Buttons, Links, Icons, andere UI-Komponenten).
- Mit Browser-Inspektor (Rechtsklick → Untersuchen) Höhe und Breite prüfen. Dabei Padding und Border berücksichtigen.
- Maße in CSS-Pixeln messen und Mindestgröße von 24 × 24 CSS-Pixel prüfen.
- Kleinere Ziele sind nur zulässig, wenn eine der folgenden Ausnahmen zutrifft:
- Spacing: Ein imaginärer 24-Pixel-Kreis um jedes Ziel überschneidet keine anderen Ziele.
- Equivalent: Die Funktion ist über ein anderes, ausreichend großes Bedienelement erreichbar.
- Inline: Das Ziel ist ein Inline-Link im Fließtext (abhängig von Zeilenhöhe).
- User Agent Control: Zielgröße wird vom Browser/OS vorgegeben (native Controls).
- Essential: Gesetzlich oder gestalterisch notwendige Darstellung, die nicht konform geändert werden kann.
- Räumlich selektive Ziele (z. B. Slider) gelten als ein Ziel.
- Alle nicht-konformen Ziele auflisten und begründen, ob sie Ausnahmen erfüllen oder angepasst werden müssen.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
Prinzip: Verstehbar
3.1.1 Sprache der Seite
- Öffnen Sie die zu prüfende Webseite in Ihrem Webbrowser.
- Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine leere Stelle der Seite und wählen Sie "Seitenquelltext anzeigen" oder nutzen Sie die Entwicklertools des Browsers (meist F12-Taste).
- Suchen Sie den öffnenden <html>-Tag ganz am Anfang des Dokuments.
- Überprüfen Sie, ob dieses Tag ein lang-Attribut enthält und ob der Wert dieses Attributs dem ISO-Code der Hauptsprache der Seite entspricht.
- Beispiel: Für eine deutsche Seite sollte es <html lang="de"> sein.
- Beispiel: Für eine englische Seite sollte es <html lang="en"> sein.
- (Optionaler Prüfschritt mit Screenreader): Aktivieren Sie einen Screenreader und lassen Sie sich verschiedene Textabschnitte der Seite vorlesen. Achten Sie darauf, ob die Aussprache der Sprache der Seite entspricht oder ob es zu "Verlesern" kommt, als würde der Screenreader eine andere Sprache annehmen.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.1.2 Anderssprachige Wörter und Abschnitte ausgezeichnet
- Öffnen Sie die Webseite und lesen Sie den Inhalt aufmerksam durch.
- Identifizieren Sie Textabschnitte oder einzelne Wörter, die in einer anderen Sprache als der auf der <html>-Ebene deklarierten Hauptsprache geschrieben sind.
- Überprüfen Sie im Quelltext oder mit den Entwicklertools, ob diese anderssprachigen Inhalte mit einem lang-Attribut ausgezeichnet sind, das den korrekten ISO-Code der jeweiligen Sprache angibt.
- Beispiel: In einem deutschen Text ein englisches Wort: <span lang="en">Service</span>.
- Beachten Sie Ausnahmen: Eigennamen, Fachbegriffe oder Wörter, die in der Umgangssprache des umgebenden Textes üblich geworden sind (z.B. "Computer" in einem deutschen Text), müssen nicht separat ausgezeichnet werden.
- (Optionaler Prüfschritt mit Screenreader): Lassen Sie sich die anderssprachigen Passagen vorlesen. Achten Sie darauf, ob die Aussprache der jeweiligen Fremdsprache entspricht.
- Eingedeutschte Begriffe müssen nicht ausgezeichnet werden, wenn sie ähnlich ausgesprochen werden (Beispiele: "Enter", "Helpdesk"). Begründung: Solche Begriffe sind bereits Teil der deutschen Sprache und verursachen keine Ausspracheprobleme.
- "Gemischte" Wörter nicht auszeichnen (Beispiele: "Webauftritt", "Checkpunkt")
- Orientierung für deutschen Sprachgebrauch: Aufnahme im aktuellen "Deutschen Universalwörterbuch" des Duden-Verlags. Problem: Online-Duden kann nicht zwischen verschiedenen Duden-Ausgaben unterscheiden.
- Auch bekannte Fremdwörter können ausgezeichnet werden (empfohlen, aber nicht verpflichtend), da Screenreader-Wortlisten nicht immer vollständig sind. Beispiele für optionale Auszeichnung: Copyright, Website, Site, Homepage
3.1.3 Ungewöhnliche Wörter
- Lesen Sie den Inhalt der Webseite aufmerksam durch.
- Identifizieren Sie Wörter oder Redewendungen, die als "Jargon" (Fachsprache, z.B. "StickyKeys" in einem Technik-Kontext), "Idiom" (Redewendungen, deren Bedeutung nicht aus den Einzelwörtern abzuleiten ist, z.B. "jemandem auf den Leim gehen") oder einfach als "ungewöhnlich" eingestuft werden könnten, deren Bedeutung also nicht sofort klar ist oder nur in einem sehr spezifischen Kontext verstanden wird.
- Überprüfen Sie, ob es einen Mechanismus gibt, der eine Definition oder Erklärung für diese Begriffe bereitstellt. Mögliche Mechanismen sind:
- Ein Link zu einem Glossar oder einer separaten Definitionsseite.
- Eine Inline-Erklärung, die direkt im Text oder als kleines Pop-up erscheint (z.B. mittels HTML-Elementen wie abbr mit title-Attribut oder <details>/<summary>).
- Das Wort wird beim ersten Auftreten ausführlich erklärt.
- Stellen Sie sicher, dass die Erklärung selbst leicht zugänglich und verständlich ist und die Bedeutung des Begriffs klar macht.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.1.4 Abkürzungen
- Scannen Sie den Inhalt der Webseite nach Abkürzungen. Beispiele sind "HTML", "URL" (Initialismen) oder "NATO", "Laser" (Akronyme).
- Überprüfen Sie für jede gefundene Abkürzung, ob ein Mechanismus bereitgestellt wird, der ihre erweiterte Form oder Bedeutung zugänglich macht. Gängige Methoden sind:
- Das HTML-Element <abbr> mit einem title-Attribut, das die vollständige Bedeutung enthält (z.B. <abbr title="Hypertext Markup Language">HTML</abbr>).
- Ein Link zu einem Glossar oder einer Definition an anderer Stelle auf der Seite oder in einem separaten Dokument.
- Die Abkürzung wird beim ersten Auftreten im Text ausgeschrieben (z.B. "Wir nutzen die Hypertext Markup Language (HTML)...").
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.1.5 Lesestufe
- Lesen Sie den gesamten Textinhalt der Webseite aufmerksam durch.
- Identifizieren Sie Abschnitte oder ganze Seiten, die potenziell ein höheres Leseniveau als das der unteren Sekundarstufe erfordern könnten. Achten Sie auf komplizierte Satzstrukturen, seltene Wörter, viel Fachjargon und abstrakte Konzepte. Eigennamen und Titel werden bei dieser Bewertung ignoriert.
- Prüfen Sie, ob für diese als komplex eingestuften Abschnitte oder Seiten zusätzliche, vereinfachte Inhalte oder eine alternativ vereinfachte Version des Textes verfügbar ist. Dies kann sein:
- Ein Link zu einer "Leichte Sprache"-Version der Seite.
- Ein Glossar oder Erklärungen für schwierige Begriffe (siehe auch 3.1.3).
- Bereitstellung von visuellen Illustrationen, Bildern und Symbolen um die Inhalte besser zu erklären.
- Ein zusammenfassender Text in einfacher Sprache am Anfang oder Ende des komplexen Inhalts.
- Überprüfen Sie, ob die alternative Version tatsächlich ein niedrigeres Leseniveau aufweist und leicht zugänglich ist.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.1.6 Aussprache
- Lesen Sie den Inhalt der Webseite und achten Sie auf Wörter, deren Bedeutung im Kontext zweideutig sein könnte, wenn man ihre Aussprache nicht kennt.
- Überprüfen Sie, ob ein Mechanismus bereitgestellt wird, um die korrekte Aussprache zu identifizieren. Dies könnte zum Beispiel sein:
- Ein Link zu einer Audio-Datei, die das Wort korrekt ausspricht.
- Eine phonetische Umschrift (z.B. in Klammern hinter dem Wort oder in einem Tooltip).
- Ein Link zu einem Glossar, das auch Audio-Aussprachen anbietet.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.2.1 Bei Fokus
- Öffnen Sie die Webseite, die Sie prüfen möchten.
- Nutzen Sie die Tab-Taste, um sich schrittweise durch alle interaktiven Elemente (Links, Buttons, Formularfelder, Medienplayer-Steuerungen usw.) der Seite zu bewegen.
- Achten Sie genau darauf, ob beim bloßen Erreichen eines Elements (d.h., es erhält den visuellen Fokus, ohne dass Sie die Enter- oder Leertaste drücken) eine unerwartete "Kontextänderung" stattfindet. Eine Kontextänderung umfasst das Öffnen eines neuen Fensters, das Absenden eines Formulars, das Springen zu einer neuen Seite oder ein signifikantes Umordnen des Inhalts der aktuellen Seite.
- Wiederholen Sie den Vorgang auf verschiedenen Seiten oder in verschiedenen Abschnitten der Website, um sicherzustellen, dass das Verhalten konsistent ist.
- Prüfschritt bezieht sich nur auf neue Browser-Fenster, nicht auf skriptgesteuerte Seitenelemente wie modale Dialoge
- Custom Tooltips (nicht-modale Fenster, die sich automatisch schließen) gelten nicht als Kontextänderung
3.2.2 Bei Eingabe
- Suchen Sie auf der Webseite nach allen Formularfeldern (z.B. Textfelder, Radio-Buttons, Checkboxen, Dropdown-Menüs) und anderen Bedienelementen, deren Einstellung der Nutzer ändern kann.
- Führen Sie Änderungen an diesen Elementen durch (z.B. Text in ein Feld eingeben, eine Option in einem Dropdown auswählen, eine Checkbox aktivieren oder deaktivieren).
- Beobachten Sie, ob diese Änderungen sofort eine "Kontextänderung" auslösen. Typische Kontextänderungen sind das automatische Absenden eines Formulars, das Laden einer neuen Seite, das Öffnen eines neuen Fensters oder ein signifikanter Sprung zu einem anderen Bereich der Seite.
- Wenn eine Kontextänderung eintritt, prüfen Sie, ob der Nutzer klar und verständlich vorab darüber informiert wurde. Dies kann durch einen sichtbaren Hinweistext direkt neben dem Element oder eine globale Warnung auf der Seite geschehen.
- JavaScript-Alert-Dialoge sind unproblematisch, da sie modal sind und direkt auf Nutzereingaben reagieren
- ARIA Live Regions (z.B. automatische Suchvorschläge) sollen den aktuellen Fokus nicht versetzen
- Wichtige Unterscheidung zwischen zwei Arten von Änderungen:
- Kontextänderungen (problematisch): Sprünge zu anderen Seiten, neue Fenster, starke Layout-Umordnungen, Sprunglinks zu Ankern
- Inhaltsänderungen (erlaubt): Abhängige Auswahllisten aktualisieren, Ausklappen zusätzlicher Bereiche unterhalb des Elements (wenn Fokus und Scrollposition unverändert bleiben)
- Bewertung ob Änderung "unerwartet" ist, muss aus dem Gesamtkontext heraus bestimmt werden
3.2.3 Konsistente Navigation
- Identifizieren Sie Navigationsmechanismen, die auf mehreren Seiten der Webseite wiederholt werden. Beispiele sind das Hauptmenü, Links in der Fußzeile, Suchfelder im Header oder eine Navigationsleiste auf der linken Seite.
- Besuchen Sie nun verschiedene Seiten innerhalb des Satzes von Webseiten, auf denen diese Navigationselemente vorkommen.
- Visuelle Prüfung: Vergleichen Sie die visuelle Anordnung der wiederkehrenden Navigationselemente auf den verschiedenen Seiten. Bleiben sie immer an der gleichen relativen Position?
- Tastatur-Prüfung: Navigieren Sie auf jeder dieser Seiten ausschließlich mit der Tab-Taste (und Shift+Tab zum Zurücknavigieren) durch die interaktiven Elemente. Beobachten Sie dabei die Reihenfolge, in der der Fokus von einem Navigationselement zum nächsten springt.
- Prüfen Sie, ob die Reihenfolge der Navigationselemente relativ zueinander gleich bleibt. Dies bedeutet, auch wenn zwischen zwei Navigationselementen auf einer Seite neue Inhalte oder andere Elemente eingefügt werden, müssen die beiden Navigationselemente in der zuvor beobachteten logischen Reihenfolge zueinander bestehen bleiben.
- Beachten Sie, dass eine Änderung der Reihenfolge durch den Nutzer selbst (z.B. durch Personalisierung der Ansicht oder Filteroptionen) zulässig ist.
- Startseite darf abweichende Navigation haben, da dort oft kein Bereichsmenü nötig ist oder zusätzliche Navigationsmöglichkeiten sinnvoll sind
- Bei geskripteten Layern prüfen: Unterscheiden sie sich deutlich von echten Seitenwechseln? (Browser-Zurück-Button funktioniert nicht gleichermaßen)
- Besondere Prozessbereiche (Checkout, Registrierung, Prüfungen/Quizzes): Abweichende Navigation ist erlaubt, da schrittweise Navigation sinnvoller ist
3.2.4 Konsistente Bezeichnung
- Identifizieren Sie Funktionen auf der Webseite, die an verschiedenen Stellen oder auf verschiedenen Seiten der Website angeboten werden. Beispiele hierfür sind ein "Suchen"-Button, ein "Warenkorb"-Symbol, ein "Login"-Link, ein "Konto erstellen"-Button oder ein "Weiter"-Button in einem mehrstufigen Prozess.
- Vergleichen Sie die Bezeichnungen (den sichtbaren Text, die Bildunterschrift bei Icons, den Tooltip oder den programmatischen Namen) dieser Bedienelemente über die gesamte Website hinweg.
- Stellen Sie sicher, dass Bedienelemente, die die genau gleiche Funktionalität bieten, auch identisch benannt sind.
- Beachten Sie dabei, dass Bedienelemente mit der gleichen Funktion auch dann als "gleich" gelten, wenn sie unterschiedliche visuelle Darstellungen oder interne Bezeichnungen haben, solange ihre tatsächliche Aufgabe identisch ist. Zum Beispiel: Ein "Finden"-Button und ein "Suchen"-Button können die gleiche Funktion haben.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.2.5 Änderung auf Anfrage
- Überprüfen Sie die Webseite auf Mechanismen, die automatisch eine "Kontextänderung" auslösen könnten, ohne dass der Nutzer eine explizite Aktion (wie ein Klick auf einen Button oder Link) ausgeführt hat. Beispiele dafür sind:
- Automatische Weiterleitungen nach einer bestimmten Zeit
- Inhalte, die sich nach einer Eingabe in ein Feld sofort neu laden oder aktualisieren, ohne dass ein "Absenden"-Button geklickt wurde
- Seiten, die sich automatisch aktualisieren (z.B. Live-Ticker, Aktienkurse)
- Wenn solche automatischen Kontextänderungen vorhanden sind, prüfen Sie, ob mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
- Die Änderung geschieht ausschließlich auf explizite Anforderung des Benutzers hin (z.B. Klick auf einen "Absenden"-Button, eine explizite Bestätigung, die Aktivierung eines Links)
- Alternativ ein Mechanismus vorhanden ist, um die automatische Kontextänderung vollständig zu deaktivieren (z.B. eine Einstellungsoption in den Benutzereinstellungen der Webseite oder ein deutlich sichtbarer Schalter direkt auf der Seite)
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.2.6 Konsistente Hilfe
- Identifizieren Sie auf der Webseite alle Hilfemechanismen. Dazu gehören:
- Menschliche Kontaktinformationen: E-Mail-Adressen, Telefonnummern
- Menschliche Kontaktmöglichkeiten: Links zu Kontaktformularen, Chat-Icons mit Live-Mitarbeitern
- Selbsthilfeoptionen: Links zu FAQ-Seiten, Hilfezentren, Handbüchern, Wissensdatenbanken
- Vollautomatische Kontaktmöglichkeiten: Chatbot-Icons
- Wenn solche Hilfemechanismen auf mehreren Webseiten innerhalb eines "Satzes von Webseiten" (z.B. ein Online-Shop, ein Blog) wiederholt werden, besuchen Sie verschiedene dieser Seiten.
- Überprüfen Sie sowohl visuell als auch durch die Tastaturnavigation (Tab-Reihenfolge), ob diese Hilfemechanismen in der gleichen relativen Reihenfolge zu anderen Seiteninhalten erscheinen. Das bedeutet, wenn z.B. das Hilfe-Icon auf der Startseite im Footer nach dem Impressum erscheint, sollte es auf anderen Seiten ebenfalls nach dem Impressum im Footer zu finden sein.
- Beachten Sie, dass die visuelle Position bei gleicher Seitenvariation (z.B. gleichem Zoomlevel und Bildschirmausrichtung) konsistent sein sollte. Eine Änderung der Reihenfolge, die vom Nutzer selbst initiiert wird (z.B. durch Zoomen der Seite, was zu einem anderen responsiven Layout führt), ist zulässig.
- Hilfemechanismen können entweder direkt auf der Seite angezeigt werden oder über einen direkten Link zu einer anderen Seite, die die Informationen enthält, zugänglich gemacht werden.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.3.1 Fehlererkennung
- Identifizieren Sie auf der Webseite alle Formulare, die Benutzereingaben erfordern (z.B. Kontaktformulare, Registrierungen, Suchfelder, Bestellformulare).
- Simulieren Sie absichtlich verschiedene Arten von Eingabefehlern:
- Lassen Sie Pflichtfelder leer
- Geben Sie falsche Formate ein (z.B. Text in ein Zahlenfeld, ungültiges E-Mail-Format)
- Geben Sie ungültige Daten ein (z.B. ein Datum in der Zukunft, wenn nur vergangene Daten erlaubt sind)
- Versuchen Sie, das Formular abzusenden.
- Prüfen Sie, ob das System den Fehler automatisch erkennt und anzeigt.
- Überprüfen Sie genau, ob dabei zwei Kernanforderungen erfüllt sind:
- Das fehlerhafte Eingabefeld muss klar identifiziert werden. Dies kann visuell (z.B. eine deutliche Umrandung in Kontrastfarbe, ein Icon) und programmatisch (z.B. durch Setzen des ARIA-Attributs aria-invalid="true" auf dem Eingabefeld) geschehen. Der Fokus kann auch direkt auf das fehlerhafte Feld gesetzt werden.
- Der Fehler muss in Textform beschrieben werden. Dies bedeutet eine verständliche, klar formulierte Fehlermeldung direkt beim Feld oder prominent oben im Formular (z.B. "Dieses Feld darf nicht leer sein", "Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein"). Eine Beschreibung nur über Farbe (z.B. nur eine rote Umrandung) ist nicht ausreichend.
- (Optionaler Prüfschritt mit Screenreader): Aktivieren Sie einen Screenreader und navigieren Sie zum fehlerhaften Feld. Prüfen Sie, ob der Screenreader die Fehlermeldung klar und verständlich vorliest und das Feld als fehlerhaft kennzeichnet.
- Verschiedene Möglichkeiten der Fehleridentifikation:
- Fehlerübersicht am Formularbeginn mit Nennung aller betroffenen Felder
- Inline-Feedback direkt beim jeweiligen Feld
- Visuelle Hervorhebung (zusätzlich zur Textbeschreibung)
- Programmatische Verknüpfung über aria-describedby oder aria-labelledby
- Live-Regionen oder alertdialog-Rolle für dynamische Anzeigen
- Nach erfolgreicher Korrektur müssen vorherige Fehlermeldungen verschwinden
- Serverseitige Fehlermeldungen auf neuen Seiten werden als neuer Seitenzustand komplett mitgeprüft
- Wenn Formulare keine Fehlermeldungen erzeugen, ist das nicht negativ zu bewerten
- aria-errormessage hat noch unzureichende Browser-Unterstützung für zuverlässige Screenreader-Zugänglichkeit
3.3.2 Beschriftungen oder Anweisungen
Sind Beschriftungen und Anleitungen vorhanden?
- Sind alle Formularelemente sichtbar beschriftet? Jedes Eingabefeld muss mit einem sichtbaren Label oder erklärenden Text versehen sein, damit Nutzer wissen, welche Information dort eingetragen werden soll.
- Sind Pflichtfelder klar als solche gekennzeichnet? Die Pflichtangabe sollte z. B. durch den Zusatz „(Pflichtfeld)" im Label erkennbar sein. Alternativ können auch optionale Felder als „(optional)" markiert werden. Wird ein Symbol wie ein Sternchen * verwendet, muss dessen Bedeutung erklärt sein – am besten zu Beginn des Formulars oder beim ersten Schritt eines mehrstufigen Formulars.
- Werden Formatvorgaben kommuniziert? Wenn ein Feld ein bestimmtes Format erfordert (z. B. bei Datum oder Telefonnummern), muss dieses Format vor dem Feld oder in einem Hinweis (z. B. als placeholder) klar beschrieben sein. Beispiele: „Geburtsdatum im Format TT.MM.JJJJ eingeben", „Telefonnummer: Nur Ziffern, keine Leerzeichen oder Sonderzeichen"
Sind Beschriftungen richtig positioniert?
- Mithilfe der Web Developer Toolbar (z. B. in Firefox) wird die Seite über Miscellaneous > Linearize Page linearisiert, um die Struktur unabhängig von der visuellen Darstellung zu überprüfen.
- Die Beschriftung muss in linearer Darstellung direkt vor oder über dem zugehörigen Formularfeld stehen.
- Für Kontrollkästchen (Checkboxes) und Radiobuttons darf das Label auch nach dem Element stehen – dies ist sogar üblich und korrekt.
- Placeholder-Attribut allein ist unzureichend, da es bei Eingaben (auch versehentlichen) verschwindet
- Bei mehrteiligen Eingaben (z.B. Datumseingabe mit drei Dropdowns):
- Gemeinsame Gruppenbeschriftung reicht (z.B. "Geburtsdatum" mit fieldset/legend)
- Einzelelemente zusätzlich mit title-Attribut beschreiben ("Tag", "Monat", "Jahr")
- Hinweise zu Eingabeformat oder ausgelösten Aktionen können zentral am Formularbeginn stehen, wenn dort gut erkennbar
- Einfache Suchformulare (nur Eingabefeld + Button) können ohne sichtbare Beschriftung auskommen:
- Voraussetzung: Visuelle Gestaltung folgt üblichen Konventionen (erkennbares Lupen-Symbol o.ä.)
3.3.3 Hilfe bei Fehlern
- Identifizieren Sie Formulare auf der Webseite, bei denen eine automatische Fehlererkennung implementiert ist (siehe Erfolgskriterium 3.3.1).
- Formularfehler provozieren: Das Formular absichtlich unvollständig oder mit fehlerhaften Eingaben ausfüllen, z. B. Pflichtfelder leer lassen oder eine falsche E-Mail-Adresse eingeben.
- Fehlermeldungen prüfen:
- Prüfen, ob nach der fehlerhaften Eingabe eine Fehlermeldung erscheint
- Sicherstellen, dass die Fehlermeldung verständlich und eindeutig ist, also klar beschreibt, was falsch ist
- Prüfen, ob Fehlermeldungen oder Korrekturhinweise sinnvoll und hilfreich sind, ohne unnötig komplex oder verwirrend zu sein
- Darstellung der Fehlermeldungen kontrollieren: Fehlermeldungen können auf verschiedene Weise präsentiert werden, beispielsweise:
- Am Anfang der Seite oder des Formulars nach dem Absenden, mit einer Zusammenfassung der Fehler
- Direkt neben oder in der Nähe der fehlerhaften Eingabefelder, idealerweise mit ARIA-Techniken für Screenreader-Nutzer, um die Verbindung zwischen Feld und Fehlermeldung klar zu machen
- Beachten Sie die Ausnahme: Vorschläge zur Korrektur müssen nicht gemacht werden, wenn dies die Sicherheit (z.B. bei der Eingabe von Bankdaten) oder den Zweck des Inhalts (z.B. bei einem Quiz, wo die Beantwortung der Frage als Test dient) gefährden würde.
- Serverseitige Fehlermeldungen auf neuen Seiten werden als neuer Seitenzustand mitgeprüft (inklusive andere Prüfkriterien)
- Bei komplizierten Eingabeformaten (z.B. Datum, Telefonnummer) Formathinweise bereitstellen (z.B. "tt.mm.jjjj")
- Solche Hinweise helfen bei der Fehlervermeidung
- Wenn Formulare keine Fehlermeldungen erzeugen, ist das nicht negativ zu bewerten
- Keine spezifischen Korrekturhinweise erforderlich, wenn diese die Sicherheit gefährden würden:
- Beispiel: Anmelde- und Passwortfelder dürfen unspezifische Fehlermeldungen haben
3.3.4 Fehlervermeidung (Rechtlich, Finanziell, Daten)
- Identifizieren Sie alle Prozesse auf der Webseite, die eine der folgenden Kategorien betreffen:
- Rechtliche Verpflichtungen: (z.B. Online-Vertragsunterzeichnung, Anmeldung zu einem Dienst mit rechtlicher Bindung)
- Finanzielle Transaktionen: (z.B. Online-Kauf, Überweisung, Spenden)
- Modifikation oder Löschung von Nutzerdaten: (z.B. Ändern der E-Mail-Adresse im Profil, Löschen des Benutzerkontos, Bearbeiten von öffentlichen Beiträgen)
- Absenden von Testantworten: (z.B. bei einem wichtigen Test oder einer Prüfung, bei der die Antworten unwiderruflich sind)
- Für jeden dieser kritischen Prozesse überprüfen Sie, ob mindestens einer der folgenden Mechanismen zur Fehlervermeidung vorhanden ist:
- Datenanzeige mit Korrekturmöglichkeit: Die eingegebenen Daten werden auf einer separaten Seite oder in einem Dialog nochmals vollständig angezeigt, bevor sie abgesendet werden. Es muss eine Möglichkeit bestehen, zurück zum Formular zu gelangen und Änderungen vorzunehmen.
- Bestätigungsdialog: Vor dem Absenden erscheint ein Dialog oder Hinweistext, der auf die Tragweite der Aktion hinweist (z. B. „Mit dem Klick auf ‚Jetzt kaufen' geben Sie eine verbindliche Bestellung ab.") und eine bewusste Entscheidung erfordert, etwa durch einen zweiten Klick.
- Rückgängig-Funktion: Die Transaktion kann nach dem Absenden kurzfristig rückgängig gemacht werden (z. B. durch eine „Widerrufen"-Funktion oder eine temporäre Zwischenspeicherung vor endgültiger Durchführung).
- Nach dem Absenden prüfen: Es sollte eine klare Bestätigung der erfolgreichen Eingabe angezeigt werden.
- Einfache Bestätigungs-Checkboxen sind deutlich schwächer als vollständige Datenübersicht vor Absendung
- Problem mit Checkboxen: Werden oft routinemäßig und unaufmerksam gesetzt, besonders bei Geschäftsbedingungen
- Für wichtige Eingaben: Vollständige Anzeige aller Daten auf separater Seite vor endgültigem Absenden bevorzugen
- Erfolgreiche Eingaben sollten nach dem Absenden klar bestätigt werden
3.3.5 Hilfe
- Navigieren Sie durch verschiedene Abschnitte der Webseite, insbesondere durch komplexe Formulare, Anwendungen, Anleitungen oder Bereiche, die Erklärungen oder spezifische Eingaben erfordern könnten.
- Suchen Sie aktiv nach Hilfemechanismen, die direkt auf den Kontext bezogen sind. Dies kann sich in verschiedenen Formen zeigen:
- Kleine Info-Icons oder Fragezeichen (z.B. ?-Symbol) neben Formularfeldern oder komplexen Bedienelementen, die bei Klick oder Hover eine kurze, relevante Erklärung anzeigen (z.B. Tooltips, Popover). Wichtig ist, dass diese Hilfen auch per Tastatur zugänglich sind.
- Direkte Hilfetexte oder Anweisungen, die unter oder neben einem Feld erscheinen, wenn es fokussiert wird oder wenn ein bestimmter Zustand eintritt (z.B. Eingabe eines Wertes).
- Links zu Hilfeseiten, die direkt zu dem relevanten Abschnitt springen, anstatt nur zur allgemeinen Startseite eines Hilfezentrums.
- Klare und prägnante Beschriftungen für Bedienelemente, die bereits selbst eine Form von kontextsensitiver Hilfe darstellen können.
- Prüfen Sie, ob die bereitgestellte Hilfe tatsächlich relevant für den aktuellen Kontext ist, leicht verständlich formuliert ist und dem Nutzer nicht mehr Schritte abverlangt als nötig, um die Information zu erhalten.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.3.6 Fehlervermeidung (Alle)
- Identifizieren Sie alle Webseiten, die Benutzereingaben zur Übermittlung erfordern. Dies umfasst nicht nur kritische Prozesse, sondern auch einfachere Formulare wie Kontaktformulare, Newsletter-Anmeldungen, Kommentarfelder oder Umfragen.
- Für jede dieser Seiten überprüfen Sie, ob mindestens einer der folgenden Mechanismen zur Fehlervermeidung implementiert ist:
- Rückgängigmachen: Die Übermittlung oder Aktion ist rückgängig machbar (z.B. eine "Abbrechen"- oder "Zurücksetzen"-Option nach dem Absenden eines Kommentars, eine "Löschen"-Option für einen eben hochgeladenen Beitrag).
- Überprüfung: Die vom Nutzer eingegebenen Daten werden auf Fehler überprüft, und der Nutzer erhält die Möglichkeit, diese zu korrigieren, bevor die Übermittlung erfolgt. Dies kann durch Client-seitige Validierung (die Fehler sofort anzeigt, während der Nutzer tippt) oder durch Server-seitige Validierung (die Fehler nach dem Absenden erkennt und dem Nutzer die Möglichkeit gibt, zur Korrektur zurückzukehren) geschehen.
- Bestätigung: Ein Mechanismus ist verfügbar, um Informationen vor dem endgültigen Absenden zu überprüfen, zu bestätigen und zu korrigieren (z.B. eine Vorschauseite für einen Blog-Kommentar, bevor er veröffentlicht wird).
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.3.7 Redundante Eingabe
- Anwendbarkeit prüfen: Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn Nutzer im Rahmen eines formularbasierten Prozesses Informationen erneut eingeben müssen, die sie zuvor bereits innerhalb desselben Prozesses bereitgestellt haben.
- Ablauf durchspielen: Den gesamten Prozess (z. B. eine Registrierung oder einen Bestellvorgang) Schritt für Schritt durchlaufen und dabei beobachten, ob bereits eingegebene oder zur Verfügung gestellte Daten erneut manuell eingegeben werden müssen.
- Umsetzung bewerten: Prüfen, ob die erneute Eingabe vermieden wird, indem eine der folgenden Maßnahmen umgesetzt ist:
- Automatisches Ausfüllen: Das System übernimmt bereits eingegebene Daten automatisch in spätere Formularfelder
- Auswahlmöglichkeit: Nutzende können die Daten aus einer Auswahl übernehmen (z. B. Checkbox „Rechnungsadresse entspricht Lieferadresse", Dropdown-Auswahl oder Kopierfunktion)
- Ausnahmefall liegt vor: Die erneute Eingabe ist erforderlich, z. B. aus Sicherheitsgründen (Passwort-Wiederholung), weil sie integraler Bestandteil der Aufgabe ist (z. B. ein Lernspiel), oder weil die frühere Information nicht mehr gültig ist
- Fehlende Umsetzung dokumentieren: Wird dieselbe Information erneut verlangt ohne automatische Übernahme, Auswahlmöglichkeit oder Ausnahmegrund, liegt eine Barriere vor und der Prüfschritt ist nicht erfüllt.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.3.8 Zugängliche Authentifizierung (Minimum)
- Identifizieren Sie alle Authentifizierungsprozesse auf der Webseite (Login-Formulare, Registrierungsformulare, Passwort-Reset-Prozesse, Mehrfaktor-Authentifizierungen, Bestätigungen).
- Für jeden Schritt dieser Prozesse prüfen Sie, ob ein kognitiver Funktionstest erforderlich ist. Beispiele sind:
- Passwort merken und eingeben: Wenn der Nutzer ein kompliziertes Passwort auswendig wissen und eingeben muss. (Ausnahme: Wenn dies durch Passwort-Manager unterstützt wird)
- Texteingabe aus einem Bild: Klassische, verzerrte Text-CAPTCHAs
- Mathematische Aufgaben: Rechenaufgaben, die gelöst werden müssen
- Puzzles: Visuelle Puzzles, die gelöst werden müssen
- Wenn ein kognitiver Funktionstest erforderlich ist, prüfen Sie, ob mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
- Alternative: Es gibt eine alternative Authentifizierungsmethode, die keinen kognitiven Test erfordert (z.B. Anmeldung per E-Mail-Link ("Magic Link"), biometrische Authentifizierung wie Fingerabdruck-Scan, Gesichts-Scan)
- Mechanismus: Ein Mechanismus ist verfügbar, der den Nutzer beim Abschließen des kognitiven Funktionstests unterstützt. Beispiele hierfür sind: Unterstützung für Passwort-Manager (d.h. das Feld lässt sich automatisch vom Manager befüllen), Möglichkeit zum Kopieren und Einfügen von Passwörtern oder Codes, Ein CAPTCHA bietet eine Audio-Alternative (Text wird vorgelesen) oder eine einfache Rechenaufgabe
- Objekterkennung: Der kognitive Funktionstest ist die Erkennung von Objekten in Bildern (z.B. "Wählen Sie alle Bilder mit einem Baum aus"). Diese sind oft einfacher zu lösen als abstrakte Puzzles
- Persönlicher Inhalt: Der kognitive Funktionstest ist die Identifizierung von nicht-textuellen Inhalten, die der Nutzer selbst zuvor zur Webseite bereitgestellt hat (z.B. "Wählen Sie das Bild aus, das Sie hochgeladen haben")
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
3.3.9 Zugängliche Authentifizierung (Erweitert)
- Identifizieren Sie alle Authentifizierungsprozesse auf der Webseite (Login, Registrierung, Passwort zurücksetzen, Mehrfaktor-Authentifizierung).
- Für jeden Schritt dieser Prozesse prüfen Sie, ob ein kognitiver Funktionstest erforderlich ist (wie in 3.3.8 beschrieben, z.B. Passwort merken, Text-CAPTCHA, Rechenaufgabe, Puzzle).
- Wenn ein kognitiver Funktionstest erforderlich ist, prüfen Sie, ob mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
- Alternative: Es gibt eine alternative Authentifizierungsmethode, die überhaupt keinen kognitiven Test erfordert. Dies sind Methoden, die nicht auf Gedächtnis, Transkription oder Problemlösung basieren. Beispiele: Anmeldung per E-Mail-Link (Magic Link), biometrische Authentifizierung (Fingerabdruck, Gesichts-Scan), physische Sicherheitsschlüssel (Hardware-Token)
- Mechanismus: Ein Mechanismus ist verfügbar, der den Nutzer beim Abschließen des kognitiven Funktionstests umfassend unterstützt. Dies schließt z.B. die Unterstützung durch Passwort-Manager oder die Möglichkeit zum Kopieren und Einfügen von Passwörtern/Codes ein. Die Optionen der Objekterkennung und des persönlichen Inhalts, die in 3.3.8 (AA) erlaubt waren, sind hier nicht mehr ausreichend, da sie immer noch ein gewisses Maß an kognitiver Anstrengung erfordern.
Keine besonderen Hinweise für dieses Kriterium.
Prinzip: Robust
4.1.1 Parsing (Veraltet und entfernt)
Dieses Kriterium wird nicht mehr geprüft, da es entfernt wurde.
Wichtiger Hinweis:
- Obwohl dieses Kriterium offiziell entfernt wurde, ist eine saubere und standardkonforme Codierung (valid HTML, CSS) weiterhin eine Best Practice und essenziell für die Robustheit und Kompatibilität einer Webseite.
- Viele Probleme, die früher unter diesem Kriterium fielen, werden heute implizit durch andere Erfolgskriterien (z.B. 4.1.2 Name, Rolle, Wert verfügbar) abgedeckt, da Assistenztechnologien korrekte Informationen nur dann zuverlässig auslesen können, wenn der zugrundeliegende Code strukturiert und semantisch korrekt ist.
4.1.2 Name, Rolle, Wert verfügbar
- Anwendbarkeit prüfen: Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn auf der Website interaktive Bedienelemente vorhanden sind – also Links, Formularelemente oder per JavaScript programmierte Komponenten, die z. B. auf onclick-Events reagieren.
- Untersuchung mit Tools:
- Die Seite wird im Firefox geöffnet.
- Mithilfe der Web Developer Toolbar werden potenzielle problematische Elemente wie Links ohne href oder nachgebaute Formular-Controls identifiziert.
- Für komplexe Widgets (z. B. Akkordeons, Tabs, Schieberegler) wird mit den DevTools überprüft, ob relevante ARIA-Attribute vorhanden sind (z. B. role="button", aria-expanded="true" etc.) und ob sich Zustände korrekt verändern.
- Alternativtexte und ARIA-Zustände müssen bei dynamischer Zustandsänderung mitgeändert werden (nicht nur visuell).
- Tastatur-Navigation prüfen:
- Es wird geprüft, ob die selbst entwickelten Bedienelemente per Tab-Taste erreichbar sind (z. B. durch tabindex="0").
- Nicht fokussierbare Bedienelemente werden mit dem Cursor-Werkzeug (z. B. aViewer) inspiziert.
- Optional: Screenreader-Test: Zur zusätzlichen Prüfung, ob Name, Rolle und Wert korrekt vermittelt werden, wird ein Screenreader (z. B. NVDA) eingesetzt.
- Bewertung: Nicht erfüllt, wenn interaktive Komponenten mit unsemantischen Elementen umgesetzt sind, ohne die notwendige semantische Information durch WAI-ARIA bereitzustellen.
- ARIA Authoring Practices Guide als Referenz für korrekte Widget-Implementierung nutzen
- Unsemantische Elemente (span, div) ohne tabindex-Attribut sind nicht mit Tab-Taste erreichbar: Solche Elemente mit Cursor-Tool des aViewers untersuchen statt mit Tastatur
- Für komplexe Widgets zusätzlich Screenreader zur funktionalen Prüfung einsetzen
- Bei dynamischen eingeblendeten Elementen (z.B. Combobox-Dropdown-Listen): Script-Pause über Browser-Konsole: setTimeout(function(){debugger}, 5000); eingeben. Sofort danach Aktion auslösen, Script stoppt nach 5 Sekunden für Untersuchung der Elemente
4.1.3 Statusmeldungen programmatisch verfügbar
- Identifizieren Sie auf der Webseite alle Arten von Statusmeldungen. Dies sind Meldungen, die Informationen über den Erfolg oder das Ergebnis einer Aktion, den Wartezustand einer Anwendung, den Fortschritt eines Prozesses oder das Auftreten von Fehlern liefern, aber keinen Kontextwechsel (wie das Laden einer neuen Seite) verursachen. Beispiele sind:
- Bestätigungen: "Formular erfolgreich gesendet!", "Ihr Produkt wurde dem Warenkorb hinzugefügt."
- Fortschrittsanzeigen: "Ladevorgang...", Ladebalken.
- Fehlermeldungen: "E-Mail-Adresse konnte nicht versendet werden." (wenn diese nicht direkt einem Formularfeld zugeordnet sind, sondern global erscheinen).
- Temporäre Benachrichtigungen: "Neue Artikel verfügbar."
- Lösen Sie diese Statusmeldungen gezielt aus (z.B. ein Formular absenden, eine Aktion ausführen, die Daten lädt, einen Filter anwenden).
- Prüfen Sie im Code oder mit den Entwicklertools, ob diese Meldungen mit ARIA-Live-Regionen oder einem ähnlichen Mechanismus ausgezeichnet sind, sodass sie programmatisch als Statusmeldungen erkannt werden. Gängige und empfohlene ARIA-Attribute sind:
- role="status" und aria-live="polite": Für wichtige, aber nicht dringende Statusänderungen (z.B. "Einstellungen gespeichert"). Der Screenreader wartet, bis er mit dem Vorlesen anderer Inhalte fertig ist, bevor er diese Meldung vorliest.
- role="alert" und aria-live="assertive": Für dringende und wichtige Statusänderungen, die sofortige Aufmerksamkeit erfordern (z.B. kritische Fehlermeldungen). Der Screenreader unterbricht sofort das aktuelle Vorlesen, um diese Meldung zu priorisieren.
- aria-atomic="true": Kann nützlich sein, um sicherzustellen, dass der gesamte Inhalt der Live-Region vorgelesen wird, auch wenn sich nur Teile davon ändern.
- Screenreader-Test: Aktivieren Sie einen Screenreader. Navigieren Sie zu einem Bereich der Seite (z.B. dem ersten Link). Lösen Sie dann die Statusmeldung aus (z.B. senden Sie ein Formular ab, ohne den Fokus zu bewegen). Prüfen Sie, ob der Screenreader die Meldung sofort und klar vorliest, ohne dass der Fokus dorthin springt oder der Nutzer dorthin navigieren muss.
Wichtige Ausnahmen und Hinweise:
- Folgende gelten nicht als Statusmeldung: Fehlermeldungen über Dialog (Kontextänderung durch Fokusversetzung), Hinzufügung von Bedienelementen (z.B. zusätzliche Formularfelder)
- Screenreader-Ausgabe kann je nach Browser und Screenreader unterschiedlich ausfallen
- Erfolg hängt von Implementierungsdetails ab (bestehender Container vs. neuer Container, Zeitverzögerung)
- Für optimale Unterstützung in verschiedenen Umgebungen: Beim Seitenaufbau: Leeren Container als Live-Region im DOM erstellen und auszeichnen. Bei Aktualisierung: Text in den bereits vorhandenen Container einfügen oder aktualisieren
- Kurze Zeitverzögerung vor der Generierung der Meldung kann die Erfolgsrate verbessern