Zielgruppen der digitalen Barrierefreiheit

Digitale Barrierefreiheit ist für alle wichtig – denn sie hilft nicht nur Menschen mit dauerhaften Einschränkungen, sondern auch in temporären oder alltäglichen Situationen.

Hier findest du eine Übersicht über die wichtigsten Zielgruppen und ihre Bedürfnisse.

Menschen ohne oder mit eingeschränktem Sehvermögen

Zu dieser Zielgruppe zählen blinde Menschen, Personen mit starker oder altersbedingter Sehbehinderung sowie Menschen, die auf Screenreader oder eine Braillezeile angewiesen sind.

  • Tastaturbedienbarkeit: Die gesamte Seite muss ohne Maus nutzbar sein.
  • Alternativtexte: Bilder, Grafiken und Symbole brauchen aussagekräftige Beschreibungen.
  • Hohe Kontraste und flexible Schriftgrößen: Inhalte müssen klar erkennbar und vergrößerbar sein.
  • Klare Struktur: Inhalte sollen logisch und verständlich gegliedert sein.
  • Verzicht auf rein visuelle Informationen: Inhalte müssen auch in Textform vermittelt werden.

Menschen mit Farbsehschwäche

Zu dieser Zielgruppe zählen Menschen mit Rot-Grün-Schwäche, Blau-Farbblindheit sowie Menschen, die völlig farbenblind sind. Auch Nutzer, die bestimmte Farben nur schwer unterscheiden können, gehören dazu. Farbsehschwäche kann angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.

  • Keine ausschließliche Farbcodierung: Wichtige Inhalte, Hinweise oder Statusanzeigen müssen zusätzlich durch Symbole, Text oder Muster erkennbar sein.
  • Alternativtexte und erklärende Beschriftungen: Grafiken oder Diagramme, die Farben nutzen, sollten durch erklärende Texte ergänzt werden, sodass die Information auch ohne Farberkennung verständlich ist.
  • Kontrastreiche Farbgestaltung: Farben sollten so gewählt werden, dass sie auch bei eingeschränkter Farbwahrnehmung gut unterscheidbar sind. Helle und dunkle Töne, unterschiedliche Muster oder zusätzliche visuelle Hinweise erhöhen die Lesbarkeit.

Menschen ohne oder mit eingeschränktem Sprachvermögen

Zu dieser Zielgruppe zählen Menschen, die aufgrund von Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit sprachliche Einschränkungen haben, ebenso Personen mit Sprechstörungen wie Stottern oder Lispeln. Auch Menschen, die nach Erkrankungen (zum Beispiel (z.B.) Schlaganfall) oder Operationen nicht oder nur eingeschränkt sprechen können, gehören dazu.

  • Alternative Kontaktmöglichkeiten: Anstelle von Sprachkommunikation (z. B. Telefon) sollten E-Mail, Chatfunktionen oder Kontaktformulare verfügbar sein.
  • Verzicht auf Spracheingaben als einzige Option: Webseiten dürfen keine Funktionen ausschließlich über Sprachsteuerung anbieten, sondern müssen alternative Bedienwege bereitstellen.

Menschen ohne oder mit eingeschränktem Hörvermögen

Zu dieser Zielgruppe zählen gehörlose Menschen, Personen mit angeborener oder erworbener Schwerhörigkeit sowie Menschen mit plötzlichem Hörverlust oder altersbedingter Hörminderung. Auch Menschen, die Hörgeräte oder Cochlea-Implantate nutzen, gehören dazu.

  • Alternative Kommunikationswege: Kontaktaufnahme sollte nicht nur per Telefon möglich sein, sondern auch über E-Mail, Chatfunktionen oder Kontaktformulare.
  • Untertitel und Transkripte: Videos, Audioinhalte oder Podcasts müssen mit Untertiteln oder vollständigen Transkripten versehen sein.
  • Visuelle Hinweise: Signaltöne oder akustische Benachrichtigungen (z. B. Fehlermeldungen, Warnungen) müssen zusätzlich visuell dargestellt werden, etwa durch Symbole, Pop-ups oder farbliche Hervorhebungen.
  • Einfache Sprache: Texte und Untertitel sollten klar und verständlich formuliert sein.
  • Optional Gebärdensprache: Wichtige Informationen oder Videos können zusätzlich in Gebärdensprache angeboten werden.

Menschen mit motorischen Einschränkungen

Zu dieser Zielgruppe zählen Menschen mit Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Muskeldystrophie, Tremor oder Lähmungen sowie Personen mit anfallsweisen oder chronischen Bewegungseinschränkungen.

  • Ausreichend große Bedienelemente: Klickbare Schaltflächen, Links und Menüs sollten groß genug und mit genügend Abstand gestaltet sein, damit sie auch bei eingeschränkter Feinmotorik anklickbar sind.
  • Vereinfachte Formulareingaben: Autovervollständigung, vordefinierte Auswahlfelder oder gespeicherte Eingaben reduzieren den Aufwand beim Ausfüllen.
  • Vermeidung von übermäßigem Scrollen: Inhalte sollten ohne horizontales Scrollen nutzbar sein; vertikales Scrollen sollte auf ein notwendiges Maß beschränkt werden.
  • Tastaturbedienbarkeit: Die gesamte Webseite muss vollständig ohne Maus nutzbar sein.

Menschen mit kognitiven Einschränkungen

Zu dieser Zielgruppe zählen Menschen mit ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Migräne, Demenz oder psychischen Erkrankungen. Auch Personen mit Lernschwierigkeiten, Legasthenie oder eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit gehören dazu.
  • Einfache und leichte Sprache: Inhalte sollten in kurzen Sätzen einfach zu lesen sein, ohne die Verwendung von Fremdbegriffen.
  • Klare Strukturierung: Absätze, Zwischenüberschriften und Aufzählungen erleichtern die Orientierung.
  • Konsistentes Design: Wiederkehrende Strukturen und eine einfache Navigation helfen, kognitive Belastung zu reduzieren.